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Unfallkommission kämpft seit zehn Jahren gegen Überregulierung des Verkehrs

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Seit zehn Jahren versucht die Unfallkommission des Landkreises, die Straßen sicherer zu machen. Die Kommission begutachtet Gefahrenstellen, entschärft Kreuzungen - und wenn sich irgendwo die Unfälle häufen, schlägt sie auch mal eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor. Eigentlich jedoch möchte die Unfallkommission keine neuen Straßenschilder aufstellen, sondern deren Zahl so weit wie möglich reduzieren. «Wenn wir zu viel regeln, überfordert das die Autofahrer», sagt Mitglied Johann Roßkopf. Seit ihrer Gründung hat die Unfallkommission deshalb rund 350 Schilder von den Bundes- und Staatsstraßen im Landkreis entfernt. «Die Überreglementierung hat dazu geführt, dass sich keiner mehr an die Beschilderung hält», sagt Josef Eberhard, Verkehrsexperte der Polizei in Mindelheim und ebenfalls Mitglied der Unfallkommission.

Rote Punkte markieren Vorfahrtsverletzungen

Eberhard sitzt in seinem Büro in der Polizeiinspektion und schaut auf eine Karte des Unterallgäus. Darauf sind lauter farbige Punkte zu sehen. Viele gelbe für Abbiegeunfälle, rote für Vorfahrtsverletzungen und andere. Alle in verschiedenen Größen, je nach Schwere des Unfalls. Alle drei Jahre wird diese Karte aktualisiert.

Sie bestätigt immer wieder eine erstaunliche Erfahrung: Es kracht auf den Strecken am wenigsten, auf denen Autofahrer selbst entscheiden müssen, wie schnell sie dort fahren wollen. Offenbar mäßige die Vernunft den Fahrstil letztendlich besser als jedes offizielle Gebotsschild, hat die Unfallkommission herausgefunden.

«Reflexhafte Forderungen» mit Sorge beobachtet

Im öffentlichen Bewusstsein hat sich diese Erkenntnis bislang noch nicht durchgesetzt. Mit den Unfällen häufen sich bei der Polizei zumeist auch die Anrufe, in denen auf eine zusätzliche Beschilderung gedrängt wird. Die Unfallkommission beobachtet solche «reflexhaften Forderungen» mit Sorge. «Politische Schilder» nennt Eberhard jene Verkehrszeichen, die aufgrund öffentlichen Drucks aufgestellt werden, eigentlich aber keinerlei Sinn haben.

«Leider ist es oft schwerer, ein Schild abzulehnen als ein neues zu beantragen», sagt der Polizist.

Die Unfallkommission jedenfalls plädiert dafür, den Schilderwald nicht noch weiter aufzuforsten. Es gebe auch andere Möglichkeiten, den zunehmenden Verkehr sicher zu regeln, sagt Dietmar Birk vom Straßenbauamt Kempten, der die Unfallkommission leitet. Im Unterallgäu kommt es im Jahr durchschnittlich zu etwa 3000 Unfällen. Vergangenes Jahr sind dabei acht Menschen gestorben - so wenige wie noch nie. «Wie viele Unfälle wir letztlich vermieden haben», sagt Eberhard, «lässt sich schlecht messen». Dass ihr Einsatz dennoch etwas bewirkt, davon ist die Unfallkommission überzeugt.

 

 

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