Unfälle sollten vorgehen

Von Sylvia Rustler | Memmingen 'Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt', sagt Gabi Maurer. Ihre Tochter (10) musste nach einem Sturz auf den Kopf 'ewig lang' im Wartezimmer einer Unfallpraxis ausharren. 'Das ist eine Frechheit', schimpft sie, 'bei einem Unfallarzt sollten Unfälle doch vorgehen'. 'Grundsätzlich schon', betont indes Dr. Michael Hailer vom Centrum für Orthopädie und Chirurgie (COC). 'Aber wir hatten an diesem Tag ein ungewöhnlich hohes Patienten-Aufkommen. Es gab viele Notfälle.'

Gabi Maurer schildert den Vorfall so: Ihre Tochter Bianca rutscht beim Tanzen in der Schule aus und knallt rückwärts mit dem Kopf auf die Kante einer Sportbank. Die Viertklässlerin der Volksschule Amendingen klagt zuhause über Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel. Daraufhin sucht Maurer mit ihr die Gemeinschaftspraxis in der Donaustraße auf, die unter anderem auf Unfälle spezialisiert ist. 'Wir haben eineinhalb Stunden gewartet', ärgert sich die Mutter. 'Meine Tochter ist nur so da gehängt, ihr war furchtbar schlecht. Und dann waren auch noch zwei Personen, die nach uns gekommen sind, vor uns dran. Mich hat das fast zum Wahnsinn getrieben.'

Auf Nachfrage, wann ihre Tochter an der Reihe sei, heißt es laut Maurer: 'Sie haben keinen Termin. Wir haben nur ein Röntgengerät.' Da wird es der Mutter zu bunt und sie verlässt mit ihrem kranken Kind die Praxis in Richtung Klinikum. Dort kommt das Mädchen ihr zufolge 'ruckzuck' dran.

'Von 227 Personen hatten nur 120 einen Termin'

'Das war Zufall', sagt Hailer. Der Arzt vermutet, dass im Klinikum wohl kein großer Andrang geherrscht habe. Müssten dagegen sehr viele Patienten behandelt werden, 'kann man das leider nicht so beschleunigen, wie man sich das vorstellt'. An dem besagten Tag hätten 227 Patienten die Praxis aufgesucht. 'Nur 120 davon hatten einen Termin. Die restlichen waren alle Notfälle,' betont Hailer.

In solchen Fällen schätzten die Mitarbeiter am Empfang und gegebenenfalls ein Arzt den Gesundheitszustand der betroffenen Person ein und versuchten so, einen sinnvollen Zeitablauf zu gewährleisten. Im Übrigen habe die Wartezeit der Maurers 'exakt 56 Minuten' betragen und nicht eineinhalb Stunden. 'An einem ungewöhnlichen Tag kann das schon mal sein.'

Schleudertrauma und Gehirnerschütterung

Dr. Max Kaplan, Chef des Ärztlichen Kreisverbandes, pflichtet Hailer bei: 'Bei vielen Notfällen muss man Prioritäten setzen. Für den Betroffenen mag es lang sein. Aber eineinhalb Stunden sind schon mal drin. Schlimm wäre es gewesen, wenn das Mädchen weggeschickt worden wäre. Wenn es in der Gesundheitspolitik so weiter geht, wird es viel längere Wartezeiten geben.'

Im Klinikum ordnet der Arzt, so Maurer, bei Bianca wegen einer Halswirbel-Prellung eine Kernspintomographie an. 'Es wurde ein Schleudertrauma und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert und meine Tochter wurde zur Überwachung eine Nacht behalten.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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