Kfz-Prämien
Unendlicher Kampf gegen die Versicherungsmühlen

Als «KinderFreundlich» übersetzt Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) das «Kennzeichen KF» und ließ Hunderte von Aufklebern ans Volk verteilen. Mit den Attributen «Kein Führerschein» oder «Keine Fahrkunst» hingegen schmähte das ZDF-heute journal vergangene Woche die Autofahrer mit dem Kennzeichen KF in einem launigen Beitrag. Die ganze Nation lacht über die angeblich dümmsten oder schlechtesten Autofahrer Deutschlands. Sie müssen nicht nur die höchsten Beiträge im ganzen Land für ihre Kfz-Versicherungen bezahlen, sondern ernten dafür auch noch Hohn und Spott. Bosse will das nicht mehr auf seinen Bürgern sitzen lassen und versucht seit September, Licht ins Dunkel der undurchsichtigen Berechnungen zu bringen. Der Erfolg freilich bleibt bisher aus. Stattdessen entwickelte sich ein reger Schriftverkehr - ohne Aussicht auf Besserung.

Im Oktober erläuterte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Kaufbeurern, dass sie wesentlich mehr Unfälle als der Rest der Deutschen bauen. Zudem verursachten sie dabei höhere Schäden als alle anderen. Bosse überzeugten diese Zahlen nicht - zumal die Statistik der örtlichen Polizei eine ganz andere Sprache spricht. Er griff erneut zur Feder und forderte vom GDV eine «vertiefte Analyse auf Basis der Schadensdaten». Die Stadt sei sogar bereit, sich an den Kosten einer solchen Studie zu beteiligen.

Doch das beeindruckte den GDV nicht. Er erklärte erneut, dass die Autos mit Kennzeichen KF öfter in Unfälle verwickelt seien als der Bundesdurchschnitt und die Schäden außergewöhnlich hoch seien - sowohl an den Autos als auch an den Personen. Zudem zitiert der GDV das bayerische Innenministerium, wonach der Einsatz von Rettungshubschraubern in der Region Kaufbeuren «weitaus höher als anderswo» sei.

«Rettungsmaßnahmen aus der Luft und aufwendige Polizei- und Feuerwehreinsätze erhöhen zweifelsfrei die Kosten eins Unfalls», schreibt der GDV. Eine «vertiefte Analyse auf Basis der Schadensdaten» könne der GDV nicht leisten, heißt es. Vielmehr solle sich die Stadt zum einen an die Polizei wenden, die die örtlichen Unfallschwerpunkte kenne (möglicherweise die Bundesstraße 12). Zum anderen stünden auch die GDV-Unfallforscher zur Verfügung. Diese könnten prüfen, wo Kaufbeurer außerhalb ihrer Heimat in schwere Unfälle verwickelt sind.

Eine Absage handelte sich Bosse auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) - sozusagen der Aufsichtsbehörde der Versicherungswirtschaft - ein. Denn sie genehmigt die Tarife der Kfz-Haftpflichtversicherungen schon seit 1994 nicht mehr. Damals wurde der Europäische Binnenmarkt im Versicherungswesen eingeführt. Die Versicherer dürfen ihre Tarife laut Bafin seither vom Grundsatz her frei gestalten. Auch die Regionalklassen bestünden letztlich auf freiwilliger Basis, heißt es. Die Bafin fand keine Anhaltspunkte, dass bei dem System der Regionalklassen «aufsichtsrechtliche Vorgaben verletzt werden».

Trotz der unbefriedigenden Antwortschreiben gab Bosse nicht auf und wandte sich an den Bayerischen Versicherungsverband. Dieser teilte lapidar mit, er freue sich, dass die Stadt mit dem GDV einen «zentralen Ansprechpartner» gefunden habe und befürwortet dessen Angebot, die Unfallstatistik der Kaufbeurer Polizei von seinen Fachleuten auswerten zu lassen. Mit dieser kurzen Antwort will sich Bosse nicht zufriedengeben. Er schrieb nun zusammen mit Landrat Johann Fleschhut erneut an den Bayerischen Versicherungsverband und bemängelt, dass «die Zahlen rätselhaft» bleiben. Bosse und Fleschhut drängen auf eine Analyse der Versicherungsdaten, an der sie organisatorisch und finanziell mitwirken wollen. Zudem betont Bosse, «dass wir nicht bereit sind, länger ohne Erklärung zu verbleiben».

Er gebe sich nicht mit allgemeinen Ausführungen zufrieden. Vorstandsvorsitzender Friedrich Schubring-Giese will nun laut Bosse zu einem Gespräch nach Kaufbeuren kommen.

Derweil geben sich die Fernsehteams weiter die Klinke in die Hand. Inzwischen war das österreichische Servus TV zu Gast und am Dienstag ein Team von Johannes B. Kerner. Er will auf Sat1 am 9. Dezember um 22.15 Uhr berichten.

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