Allgäu
«Und dann läuft da flüssiges Gold raus»

«Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.» Albert Einstein

Buchloe/Mindelheim Peter Hörtrich (55) aus Mindelheim hat sich schon als Kind für Bienen und deren Arbeit interessiert. Bei seiner Frau Irmgard (50) hat es ein bisschen länger gedauert, bis sie - eher durch Zufall - ebenfalls vom «Bienenvirus infiziert» wurde. Ihr Mann hatte einen Rippenbruch und so musste sie mit anpacken. Die 50-Jährige erinnert sich noch genau an den Moment, als sie zum ersten Mal - damals noch im Schutzanzug und mit Handschuhen - den Kasten aufgemacht hat. «Der Geruch. Das Summen. Und dann läuft da das flüssige Gold heraus», schwärmt sie.

Seit vielen Jahren widmet sich das Ehepaar jetzt schon der gemeinsamen «Liebhaberei»: dem Imkern. Bereits wenn man das Eigenheim in Mindelheim betritt, strömt einem der aromatische Duft von Bienenwachs entgegen. Über dem Eingang schwebt die wohl bekannteste Biene der Welt: Maja. Auf einem Tischchen stehen Kerzen verschiedener Formen und Größen. Auf einem Schild im Fenster dann auch der offizielle Hinweis: echter deutscher Honig.

Im Gespräch wird schnell klar: Irmgard und Peter Hörtrich sind Imker mit Leib und Seele: keine Beschwerden über Bürokratie oder die viele Arbeit, kein Gejammere über Krankheiten oder Bienensterben. «Es ist einfach herrlich, zu jeder Tageszeit in den Wald zu kommen - egal ob am frühen Morgen oder am späten Abend», erzählt die 50-Jährige. Ein schlechtes Bienenjahr gibt es für die Hörtrichs nicht.

«Selbst wenn es mal weniger Honig gibt, war es ein gutes Jahr. Der Erfolg ist nicht vom Ertrag abhängig», sagt der 55-Jährige.

Seit Anfang Mai bietet Irmgard Hörtrich ihre Produkte - vor allem Honig, Kerzen, Propolis (Kittharz) und Gelee Royal - auf dem Buchloer Bauernmarkt an. Gefragt seien bei den Kunden aber auch Met, Honigbonbons oder Kosmetikartikel. Diese Dinge werden zugekauft. Zum Buchloer Bauernmarkt ist die 50-Jährige ebenfalls eher durch Zufall und über mehrere Ecken gekommen. Vorher habe sie gar nicht gewusst, dass es auf dem Immleplatz jeden Samstagvormittag «einen so schönen Markt mit so einem tollen Angebot» gebe.

«Das ist eine Gemeinschaft mit einem ganz herzlichen, familiären Umgang», hat sie bereits nach ein paar Wochen erkannt und meint weiter: «Das ist genau das, was ich machen möchte.» Egal ob von den anderen Direktvermarktern und Händlern oder von den Kunden - sie sei von Beginn an gut aufgenommen worden.

In einem Waldgebiet des Mindelheimer Ortsteils Katzenhirn stehen die Bienenstöcke der Hörtrichs. Der 55-Jährige, der in der Unterallgäuer Kreisstadt als Modellformenbauer arbeitet, schreinert alles selbst, die Bienenhäuser genauso wie die Kästen. Die Hochsaison eines Imkers ist von April bis Juli. Jeden Tag geht es zu den Bienenvölkern. Je nachdem, wann der Honig geschleudert wird, gibt es verschiedene Sorten wie Löwenzahn-, Wald- und Sommerblüten- oder Blütenhonig.

Irmgard Hörtrich hat Zucker fast komplett aus ihrem Haushalt verbannt. «Der kommt nur noch in den Kaffee», erzählt sie. Zum Backen verwendet sie ausschließlich Honig. Zum Teil gibt sie in die süße Masse auch Kräuter, die im eigenen Garten wachsen. «Das macht sich sehr gut im Salatdressing und ist außerdem gesund», verrät die 50-Jährige.

Aber auch im Herbst und Winter wird dem Ehepaar nicht langweilig. Irmgard Hörtrich zieht und gießt beispielsweise die Bienenwachskerzen selbst. Außerdem besuchen die Hörtrichs regelmäßig Seminare und Schulungen. Und im September geht es auch noch eine Woche in die Berge zum Wandern. Die Bienen kann man solange alleine lassen. Und wenn wirklich Not am Mann ist, helfen auch mal die beiden Kinder (24 und 26) mit: Der Bienenvirus ist scheinbar hoch ansteckend.

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