Kempten
Überwältigender Klangzauber

Das war ein überwältigendes Musik-Erlebnis! Kaum zu überbieten an Programm-Raffinesse, Solisten-Brillanz, orchestraler Transparenz und vitaler Musizierlust. Bei diesem Konzert der Sinfonietta Köln im Kemptener Stadttheater mit dem jungen Pianisten Bernd Glemser stimmte einfach alles.

Im Mittelpunkt steht ein sympathischer Solist im Mittelpunkt, der schon im Vorfeld, bei der Konzerteinführung im Theater-Oben, den Kontakt zu seinem Publikum aufbaute. Und nicht zuletzt ein kleinstmöglich gehaltenes Sinfonie-Orchester mit transparentem Bläsersatz (daher der Name «Sinfonietta»), das den hochgesteckten Anspruch seines Dirigenten (Cornelius Frowein) auf Präzision, schnelle Reaktion und Klangklarheit mit lebendiger Musikalität erfüllt.

Raffinierte Programmgestaltung

Raffiniert die Programmgestaltung: Da wird ein zeitgenössisches Stück eingeschmuggelt zwischen zwei klassischen Werken, die so in anderem Licht erscheinen.

Die Aufhorch-Rolle fällt Arvo Pärt zu, mit «Orient und Occident»-Streicherstück (2000): Sanft fließender Rubato-Strom durchzogen von scharfen Reibungen, wie Kiesel gegen Kiesel, akkordisch dicht, in plötzlichen Wechseln mit Unisonopassagen, motivisch an Zigeunermusik erinnernd und auf orientalisch-maurischer Volksmusik aufbauend.

Johann Christian Bachs g-Moll-Sinfonie aus der Sturm-und-Drang-Zeit um 1770 gewinnt durch Pärts sanfte Rauheit gleichsam rückwirkend an Geschlossenheit und Klassizität - trotz ungestüm-individueller Handschrift. Und das «Nachher», das folgende B-Dur-Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven?

Feinsinniger Beethoven

Es steht schon durch den Bravour-Part Bernd Glemsers im Fokus des Programms. Beethoven schrieb es 1795 für seinen eigenen ersten öffentlichen Auftritt als Klaviervirtuose in Wien. Auch die unglaublich feinsinnig fugierte Kadenz im ersten Satz - von Glemser schlicht kongenial gespielt - stammt aus der Feder des Klassik-Titanen, aus späterer Hammerklaviersonaten-Zeit.

Ein Genuss, wie die Sinfonietta den Pianisten nahtlos «einbettet» in seinen Klarklang. Ist es verwunderlich, dass die Chopin-Mazurka-Zugabe Glemsers ein entrücktes Leuchten in aller Augen zaubert - sowohl beim Orchester als auch beim staunenden Publikum?

Nach der (Erholungs-)Pause: Die Sinfonie Es-Dur von Joseph Haydn (1779). Hier dominiert der Dreiklang als Dreischlag mit «Drive», dynamisch und instrumental zart-reizvoll aufgelockert. Als Zugabe schließt Cornelius Frowein den Klassik-Reigen passend mit dem frischen Andante einer g-Moll-Sinfonie. Von einem Schüler Johann Christian Bachs namens Wolfgang Amadeus Mozart. Herrlich.

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