Füssen
Überschäumend und mitreißend

Es ist eine Ausnahmeerscheinung, das Blechbläserensemble mit dem Markenzeichen Ludwig Güttlers! Fünf Trompeter, vier Posaunisten sowie jeweils ein Waldhornist und Tubist entwickelten in der Füssener St. Mang Kirche vor 350 Zuhörern eine strahlende, weit gefächerte Klangwelt. Als Bläsersolisten der sächsischen Staatskapelle und der Philharmonie Dresden verfügen sie über das selbstverständliche technische Können, um auch schwierigste Stücke in lupenreiner Intonation nuancenreich darbieten zu können.

Die von Ludwig Güttler adaptierten Musikstücke der Renaissance, des Barocks und der Romantik verlangten ein hohes Maß an Flexibilität. Im dichten Zusammenspiel, zuweilen geführt von der lenkenden Hand Güttlers, wurde der Ausdrucksreichtum der Kompositionen zum Leuchten gebracht. Allerdings soll nicht verhehlt werden, dass die Anpassung an die akustischen Verhältnisse der Kirche Schwierigkeiten bereitete, die sich besonders bei den polyphonen Werken bemerkbar machten.

Die Darbietung der fünf Renaissancetänze von Tylman Susato mit fanfarenartigen Einwürfen einiger Bläser aus dem rückwärtigen Raum der Kirche hätte als eindrucksvolle feierliche Begrüßung nicht besser sein können. Die frühbarocke Komposition von dem eher unbekannten Moritz Landgraf von Hessen überraschte mit ihrer Aussagekraft.

Gut gelangen die dynamischen Schattierungen in der Gagliarda. Hervorragend verzahnt und sehr lebendig wirkte die doppelchörige Canzon.

Kontraste

Welcher Kontrast tat sich auf im folgenden schwermütigen «Lacrimae» von John Dowland. Die Stücke aus der Suite von William Brade, einzelnen Städten und Personen gewidmet, verrieten dem Ohr verschiedenste Charaktere. Ausgezeichnet waren die Metrikwechsel und die Beherrschung der schwierigen Einsätze beim volltönenden «Aufzug vor Grienwitsch». Zeigte die Aria bei der Motette «Singet dem Herrn» von Johann Sebastian Bach eine klare, strahlende Linie, so verschwammen leider die Konturen der komplexen Fuge bei den schnellen Tempi, die nicht den akustischen Verhältnissen angepasst waren. Schön fügten sich die Werke der italienischen Komponisten Giovanni Battista Sammartini und Constanzo Antegnati in den Aufbau des Programms.

Die dunklen Farben und die Anrufe in der «Antiphon» Bruckners und schließlich sein symphonisches, zum wuchtigen Tongemälde anwachsenden «Ecce Sacerdos» schufen romantische Atmosphäre. Das weihevolle «Ave Maria», hätte man sich in differenzierterer Dynamik gewünscht.

Überschäumend, mitreißend, aber auch ziseliert erklangen zum Abschluss noch Canzona, Gagliarda und Battaglia von Samuel Scheidt. Die Zuhörer bedankten sich mit großem Beifall und bekamen noch drei Zugaben als Geschenk.

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