Bad Hindelang
Überraschungserfolg für Geigenschüler

Jedes Kind kann Geige lernen. Und zwar ähnlich, wie es eine Sprache erlernt: durch Hören und Nachahmen. Diese Methode praktizierte der japanische Violinpädagoge Shinichi Suzuki (1898 - 1998). Und ihm eifert die Suzuki-Geigengruppe aus Kempten nach. Mit ungewöhnlichem Erfolg, wie der Galaabend des kleinen Festivals «Ein Ort wird Musik» in Bad Hindelang offenbarte.

Denn dort gewann das Ensemble aus 18 Kindern zwischen fünf und 14 Jahren völlig überraschend den ersten Preis eines neu eingerichteten Nachwuchswettbewerbs. Den zweiten Preis erhielten die Geschwister Dorothea und Angelika Mutterer aus Würzburg, die sich als Duo an Klavier und Geige abwechselten, den dritten Preis der Gitarrist Andreas Braunsch aus Hinterstein.

Erstmals hatte das Festival, das unter der künstlerischen Leitung des auf Schloss Erlach bei Würzburg residierenden Geigers Florian Meierott steht, einen Wettbewerb für junge Musiker ausgeschrieben.

Den ersten, mit 500 Euro dotierten Preis hatte die Stiftung des Geigers spendiert, den zweiten und dritten Preis (300 und 150 Euro) stiftete spontan der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser, der den Galaabend im festlich gestalteten Kurhaus besuchte.

Insgesamt 20 Solisten und Gruppen hatten sich für den Wettbewerb angemeldet, zehn von ihnen wählte eine Jury für das Finale aus, bei dem dann nicht die Experten den Sieger kürten, sondern die Besucher mittels Stimmzettel. Und die meisten Stimmen erhielt nach diesem Verfahren die Suzuki-Geigengruppe, deren Mitglieder einige Ergebnisse ihres Unterrichtes präsentiert hatten. Die fortgeschrittensten Schüler zeigten dabei ihren Leistungsstand an der Polka schnell «Bahn frei» von Eduard Strauß.

Meierott freute sich, mit dem Preis ein Projekt zur Jugendförderung zu unterstützen. Nicht nur der Sieger, sondern jeder, der bei diesem Finale auftrete, sei Gewinner, hatte zuvor Kurdirektor Max Hillmeier erläutert. Denn der Wettbewerb wolle allen teilnehmenden Kindern und Jugendlichen für ihre musikalische Leistung Anerkennung zollen.

Und manche dieser Leistungen waren in der Tat außergewöhnlich: Andreas Braunsch zum Beispiel interpretierte ein Prélude von Heitor Villa-Lobos hoch sensibel und wunderbar stimmungsvoll. Warme Ausdruckskraft entfaltete auch Ernest Blochs Weise «Nigun» (aus «Baal Schem») in der Deutung von Dorothea und Angelika Mutterer.

Auch weitere Gruppen und Solisten verblüfften mit zum Teil erstaunlich ausgereiften Beiträgen, wie ein Streichquartett aus Oy-Mittelberg oder Marianne Knoll (Steirische Harmonika) aus Wertach. Der elfjährige Benedikt Berktold (ebenfalls Steirische) aus Bad Hindelang bewies, dass auch im Festspielort selbst junge Talente heranwachsen. Und die Hinderschtuinar Hirtemuseg präsentierte sich mit ausgefeilten Volksmusikbeiträgen sogar schon als ziemlich professionelles Ensemble.

Nächstes Jahr will Meierott seinen Wettbewerb wiederholen.

Vielleicht gibt es dann ein Wiederhören mit so manchem vielversprechenden Nachwuchstalent, etwa dem Ottobeurer Pianisten Gabriel Miltschitzky, der nicht nur Franz Liszts «Liebestraum» romantisch erblühen ließ, sondern auch zu musikalischen Späßen aufgelegt war: Mit dem Rücken auf dem Klavierhocker liegend, den Kopf unter der Tastatur, trug er das Praeludium C-Dur von Johann Sebastian Bach vor.

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