Mewo-Kunsthalle
Überraschendes hinter Backsteinmauern

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«Ich kann wohl für mich in Anspruch nehmen, der schlechtbezahlteste Kunsthallenleiter der Region zu sein», sagt Prof. Dr. Joseph Kiermeier-Debre. Ganz anders bewertet er dagegen den Erfolg seines Hauses, der Mewo-Kunsthalle in Memmingen, die im November 2005 in einem historischen Postamt in der Bahnhofstraße eröffnet wurde. Und nur das ist ihm wichtig: In den vergangenen fünf Jahren habe man sich einen ausgezeichneten Ruf weit über die Stadt hinaus erworben; von den 35000 Besuchern, die seither gezählt wurden, seien rund die Hälfte Auswärtige gewesen, so Kiermeier-Debre, teils aus ganz Bayern oder von noch weiter her. Und gerade die seien oft besonders überrascht von der Qualität, die sie hinter den roten Backsteinmauern erwartet.

Zwölf große Ausstellungen waren dort bisher zu sehen - und für jede wurde das Haus komplett umgebaut, wurden neue Räume im rund 1000 Quadratmeter großen Ausstellungsraum geschaffen, der sich über drei Etagen verteilt. Denn Kurator Kiermeier-Debre hängt die Werke, die er oft nur aufgrund persönlicher Kontakte nach Memmingen holen kann, nicht einfach nur auf, er inszeniert sie aufwendig. Dafür karrt er mit seiner Handvoll Teilzeit-Mitarbeiter auch einmal tonnenweise Sand oder Erde heran, verlegt viele Meter Kabel für Lichtinstallationen oder hängt kleine Nadelbäume unter die zwölf Meter hohe Kuppel des Lichthofes. Künstler und Kunstgattungen, die er in Schauen wie etwa der großen Totentanz-Ausstellung vereint (2009/10), setzt er auf diese Weise in spannende Bezüge.

Oder er präsentiert die Bilder von Josef Madlener - dem angesehenen Maler-Sohn der Stadt - dessen umfangreicher Nachlass im Depot der Kunsthalle lagert, jedes Mal wieder verblüffend neu.

50000 Euro Etat hat Kiermeier-Debre dafür pro Jahr zur Verfügung - ein Betrag mit dem man den Betrieb in dieser Güte auf Dauer nicht aufrecht erhalten könne, betont der Kunsthallenchef, der aus purer Leidenschaft für die Sache unzählige Stunden über seine offizielle Arbeitszeit hinaus an seinen Schauen arbeitet. Mehr Geld und mehr Personal wären deshalb Zukunftswünsche, die er gern noch erfüllt hätte, ehe er im Herbst in Ruhestand geht.

Das Alphabet von A bis Z

Doch vorher will er noch einmal Großes schaffen. Seit Monaten sichert er sich Exponate, Copyrights und Bilddaten, mit denen er ab Ende März das Alphabet von A bis Z in den verrücktesten Variationen präsentieren will. Auch rund 50 alte, höchst selten verliehene Drucke aus der Münchner Staatsbibliothek werden darunter sein. «Eine Ausstellung, wie es sie hier noch nicht gegeben hat», schwärmt Kiermeier-Debre. Und er weiß schon jetzt: «Da werden wir wieder rotieren, bis das aufgebaut ist.»

Aktuelle Ausstellung Noch bis zum 30. Januar: «Orat = er/sie/es spricht, betet, schreibt, zeichnet, malt» (Ugo Dossi, Rebecca Engelmann, Josef Madlener, Robert Rotar sowie russische und kubanische Tarotzyklen); im Grafikabinett: Roswitha Asche. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr. Infos unter Telefon 08331/850-771.

www.memmingen.de/kunsthalle

 

J.Kiermeier-Debre

 

Eine der spektakulärsten Ausstellungen in der Memminger Mewo-Kunsthalle war die Schau mit Fotografien des Chinesen Qingsong Wang im Jahr 2007. Die 70 in Memmingen reproduzierten, teils mehrere Meter hohen Werke liegen jetzt im Depot des Hauses und wurden bereits mehrmals an andere Häuser verliehen. Archivfoto: Brigitte Waltl-Jensen

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