Memmingen
Über Parteifreunde und Kernkraftwerke

Vor einem Jahr war Günther Beckstein noch der bayerische Ministerpräsident, heute ist er ein einfacher Abgeordneter. Doch auch nach dem Abschied von höchsten politischen Ämtern engagiert er sich voll im Bundestagswahlkampf, bestreitet zahlreiche Veranstaltungen. Das sei eine «Frage der Solidarität mit der Partei», sagt der CSU-Mann bei seinem Auftritt im Memminger Dietrich-Bonhoeffer-Haus.

Eine Spitze gegen sogenannte Parteifreunde gönnt er sich dann aber doch. Die Situation nach dem Debakel bei der Landtagswahl beschreibt Beckstein so: «Alle sind hinter mir gestanden, aber nicht alle in guter Absicht.» Nach der Wahl Horst Seehofers zum Ministerpräsidenten habe er sich eisern daran gehalten, dem Nachfolger keine öffentlichen Ratschläge zu geben. Denn wenn so was in den Zeitungen stehe, empfinde man es «eher als Schläge denn als Rat».

Beckstein spricht an diesem Abend auf Einladung des evangelischen Arbeitskreises der CSU und des Memminger Kreisverbandes der Christsozialen. Kürzlich habe er bei einer Veranstaltung gesagt, dass wenigstens er Wahlkampf machen wolle, wenn es schon die Bundeskanzlerin nicht tue, erzählt der 65-Jährige.

«Ringen um Argumente»

Aber dann habe er nochmals darüber nachgedacht und sei zu dem Schluss gekommen, dass Wahlkampf eigentlich das Ringen um Argumente bedeute und es ja vielleicht ein ganz guter Stil sei, «wenn sich Merkel und Steinmeier vor laufenden Kameras nicht gegenseitig abschlachten», so Beckstein. Das Publikum applaudiert. Vor einem Jahr machte Beckstein, damals noch als amtierender Ministerpräsident, ebenfalls Wahlkampf in Memmingen. Da war die Angriffslust noch ausgeprägter. «Man wechselt nicht zu Flaschen», forderte er damals die Wähler auf.

In der gut einstündigen Rede am Mittwochabend tritt Beckstein angesichts des Amoklaufs von Ansbach und des Mordes von Solln dafür ein, «den Schund von Gewalt verherrlichenden Computerspielen endlich zu verbieten». Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nennt der Franke ein Problem aus der eigenen Familie. Seine Frau, eine Lehrerin, habe als Seminarleiterin nicht in Teilzeit arbeiten können.

Bei seinem Streifzug durch aktuelle Themen kommt Beckstein auch auf die Energiepolitik zu sprechen und betont, dass man nicht Kernkraftwerke abschalten und dann den Strom von Kraftwerken kaufen solle, die nicht unseren Standards entsprechen. Beckstein spricht sich aber auch dafür aus, «erneuerbare Energien auszubauen».

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