Historisches
Über das Leben und Schaffen des Kaufbeurers Richard Fischer

Ab dem Jahr 1912 wurden die Geschicke der SPD, der ältesten Partei Deutschlands, auch von einem Kaufbeurer gelenkt. Vor genau 100 Jahren übernahm nämlich Richard Fischer die Geschäftsführung der Reichstagsfraktion der SPD, die er bis 1918 leitete. Als der Sozialdemokrat sechs Jahre später starb, widmete ihm der 'Vorwärts', das Zentralorgan der SPD, zwei Titelseiten.

'Im Hause der Partei ist Trauer eingezogen. Unser Richard Fischer ist nicht mehr. Er hat den ganzen Kampf unter dem Sozialistengesetz und gegen es mitgefochten. Mit den großen der Partei, vor allem mit August Bebel und Ignaz Auer, verband ihn engste Freundschaft', schrieb der 'Vorwärts'.

Vier Tage nach dem Tod wurde der Kaufbeurer auf dem Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde in Anwesenheit von Hunderten von Sympathisanten beigesetzt. Dort sprach Parteivorsitzender Otto Wels vor der Trauergemeinde. Er hielt eine engagierte Rede und lobte Fischer, 'der beseelt war von nie gesättigtem Willensdurst, feinstem innerlichen Empfinden und einem unbeirrbaren, starken und kühnen Willen'.

Fischer wurde am 3. April 1855 in Kaufbeuren geboren und lernte die Buchdruckerei. Nach zwei Jahren beim Augsburger 'Volkswillen' kam er 1878 zur 'Berliner Freien Presse', dem Vorgängerblatt des 'Vorwärts'. Doch kurz darauf wurde das 'Sozialistengesetz' (Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, gültig von 1878 bis 1890) erlassen, das einem Parteienverbot gleichkam: Fischer wurde daraufhin ins Gefängnis geworfen und später ausgewiesen.

Er organisierte deshalb von der Schweiz aus die illegale Einfuhr von sozialistischer Literatur nach Deutschland. Nach seiner Rückkehr 1890 wurde er hauptamtlicher Parteisekretär bei der SPD und übernahm 1893 die Leitung der Buchhandlung 'Vorwärts'.

Von 1893 bis zu seinem Tod am 21. September 1926 wurde der 'pflichtbewusste und scharfzüngige Redner' im Berliner Wahlkreis 2 in den Reichstag gewählt. 'Er war bis zum letzten Atemzug durch und durch Sozialdemokrat', schrieb der 'Vorwärts'.

Quelle: 'Vorwärts' vom 22. und 26. September 1926.

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