Diskussion
Über 250 Bürger bei Diskussion um Asylheim in Kempten

Keine ernsthafte Suche nach Alternativen. Unwürdige Zustände für Flüchtlinge im ehemaligen Straßenbauamt. Zu wenig Unterstützung für Asylbewerber in der Unterkunft am Rübezahlweg.

Die Vertreter von Stadt und Regierung von Schwaben mussten sich am Donnerstagabend einiges an Kritik anhören. Bei der Bürgerinformation gab es aber auch viele Stimmen, die dafür plädierten, den traumatisierten Familien zu helfen, sie als Menschen anzunehmen. Klar wurde: An der Notunterkunft in der Maler-Lochbihler-Straße führt derzeit kein Weg vorbei.

Regierungspräsident Karl-Michael Scheufele rechnet heuer mit 230 000 Asylbewerbern in Deutschland - doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Aufnahmeeinrichtungen seien heillos überfüllt. Dabei komme ein Großteil der erwarteten Flüchtlinge erst in den letzten Monaten des Jahres an. 'Jetzt brauchen wir Notunterkünfte als Puffer.'

Insgesamt sei das ehemalige Straßenbauamt ganz gut in Schuss, hieß es. 120 Menschen würden dort Platz finden, wenn auch beengt. Ein Catering-Service soll Essen bringen. Duschen und zusätzliche Toiletten müssten allerdings in beheizten Containern im Hof aufgestellt werden. 'Dann ist das Haus als Unterkunft aber nicht geeignet', entgegneten Anwohnerinnen, die früher dort gearbeitet hatten. Drei Toiletten und zwei Waschbecken auf dem Gang reichten nicht für 60 Personen auf einem Stockwerk. Und im Winter sei es nicht zumutbar, über den Hinterhof zur Dusche zu gelangen.

Nach wie vor favorisieren viele Anwohner im Haubenschloß eine Notunterkunft in der Kaserne oder im leer stehenden Kreiswehrersatzamt. 'Die Gebäude bekommen wir nicht sofort', sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle, 'eine Notlösung brauchen wir aber sofort.' Die Diskussion werde die Kemptener noch lang beschäftigen. Für die Planung einer zweiten Gemeinschaftsunterkunft (neben der bestehenden am Rübezahlweg) liefen bereits entsprechende Anfragen beim Bund. Auch ein späterer Umbau des umstrittenen Gebäudes Maler-Lochbihler-Straße 14 ist dafür weiter im Gespräch.

In Sachen Sicherheit müssten sich die Bewohner im Haubenschloß keine Sorgen machen, sagte Ulrich Müller, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. Ein ständiger Wachdienst ist vorgesehen. Mit dem Kunz-Haus, an das viele Kemptener schlechte Erinnerungen haben, könne man das Straßenbauamt nicht vergleichen. Auch im Rübezahlweg hielten sich Polizei-Einsätze in Grenzen. 'Vom Lärm dort macht man sich aber keinen Begriff', sagte ein Ehrenamtlicher, der dort Deutsch unterrichtet.

Ein Problem, das auch die direkten Nachbarn immer wieder ansprechen. Intensivere sozialpädagogische Betreuung wurde eingefordert genauso wie kürzere Asylverfahren, auf dass die Flüchtlinge eine berufliche Perspektive erhielten. Und den zügigen Einbau von Sanitäranlagen im Straßenbauamt.

Zu Spenden etwa von Geschirr und Bettwäsche rief eine Frau auf. Ein früherer Pfarrer in Berlin-Neukölln freut sich, wenn es in Kempten nicht zu Zeltstätten und rechtsradikalen Übergriffen kommt.

'Und wie lange müssen wir die Notunterkunft erdulden?', wollte eine Besucherin wissen. Darauf gibt es bisher keine Antwort. Die Einrichtung soll nun freilich 'so schnell wie möglich öffnen', betonte der Regierungspräsident. Nach seiner Darstellung kommen aus den Auffangeinrichtungen nur Menschen in Heime, die vorher medizinisch untersucht wurden. Scheufele hofft, dass sich wie an anderen Orten manche Befürchtung auflöst, wenn erste Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht sind.

"Nie einen Aufstand erhofft"

Die Berichterstattung der Allgäuer Zeitung über ein Zitat des CSU-Stadtrates Peter Wagenbrenner hat viele Reaktionen hervorgerufen. Bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag wurde eine Erklärung Wagenbrenners verlesen, in der er die Darstellung der AZ zurückweist:

"Nachdem die Allgäuer Zeitung am 6. September einen Artikel mit der Überschrift: ,CSU-Stadtrat hofft auf Aufstand' druckte und diese Aussage so nie von mir getätigt wurde, ist mir diese Erklärung ein persönliches Anliegen. Ich habe in keinster Weise wörtlich oder sinngemäß von mir gegeben, dass ich mir einen Aufstand erhoffe." () "Ich verwies lediglich auf den Unmut in der Bevölkerung, den ich in meinem beruflichen Alltag leider oft erleben muss."

Die Redaktion bleibt bei ihrer Darstellung. Vor unserer Berichterstattung gab es zwei Gespräche mit Herrn Wagenbrenner.

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