Üben für einen Einsatz, der nie eintreten soll

Von Markus Erdt Füssen Mittwochabend, 19.40 Uhr. Alarm im Grenztunnel Füssen. Ein Pkw mit zwei Personen aus Reutte ist in der Mitte des Tunnels in die Wand gekracht. Das Auto brennt. Es entwickelt sich starker Rauch. Ein Belastungstest für die Rettungskräfte, der dieses Mal allerdings nur in Form einer Übung stattfindet. 'Wir trainieren das, was wir hoffentlich nie anwenden müssen', sagt der Kommandant der Füssener Feuerwehr, Heinz Weller. Ein Widerspruch in sich, doch der Motivation tut diese Haltung keinen Abbruch.

Zehn Kameras laufen

Wellers Platz ist zehn Minuten nach der Alarmierung im sonst unbesetzten Betriebsgebäude Nord. Über Monitore beobachtet er das Treiben im Tunnel, das die zehn Kameras aufnehmen. Zudem verfolgt er am Computer wichtige Parameter und gibt per Funk Anweisungen an seine Zugführer. Insgesamt 80 Feuerwehrleute aus Füssen, Hopfen, Weißensee und der Textil AG hören an diesem Abend auf sein Kommando. Fast genauso viele nehmen auf österreichischer Seite aus Vils, Pinswang, Musau und Pflach unter der Führung des Bezirksfeuerwehr-Inspektors, Roland Kramer, an der Übung teil. Dazu kommt noch das Technische Hilfswerk des Ortsverbandes Füssen, das Rote Kreuz und die Polizei - insgesamt knapp 200 Personen.

'Ein Unfall im Tunnel löst automatisch immer Alarmstufe 3 aus', erklärt Siegfried Sterk von der Autobahnmeisterei Sulzberg, die den Tunnel betreibt. Überwacht wird der Grenztunnel von der Autobahnmeisterei Memmingen. Die schlägt an diesem Abend Alarm und informiert die Polizeiinspektion Füssen und die Bezirksleitzentrale Reutte über den Einsatz, die dann ihrerseits die Alarmierungskette (siehe Grafik) weiterführen. Die Rettungskräfte wissen genau, was zu tun ist. Die Polizei sperrt die Zufahrt ab und das THW leuchtet den Tunneleingang aus. Zudem baut die Feuerwehr ein Zelt auf, in dem sich die Floriansjünger, die mit schwerem Atemschutz in den Tunnel gehen an- und abmelden müssen. 'Damit wir niemand verlieren', erklärt Weller. Kurz darauf tastet sich das Tunnelfahrzeug mit Hilfe seiner Wärmebildkamera zur Unfallstelle vor. Das Drehbuch sieht nämlich eine starke Rauchentwicklung vor, die an diesem Abend allerdings nur fiktiv vorhanden ist. 'Aus Sicherheitsgründen bezüglich der derzeit durchgeführten Wartung haben wir auf Rauch verzichtet', erklärt Weller. Trotzdem halten sich seine Leute strikt an die Vorgaben. So darf ein VW-Bus zum Abtransport der Verletzten nur bis zur vorgebenen Rauchgrenze in den Tunnel einfahren. Dort wird einer der beiden Verletzten, die von Puppen dargestellt werden, von einem Bergungstrupp übernommen. 'Er wird überleben', sagt einer der Retter schmunzelnd. Passend zur allgemeinen Stimmung - locker, aber konzentriert.

Probleme mit Funkverbindung

Nach gut einer Stunde ist der Einsatz beendet. 'Es war höchste Zeit, dass wir wieder mal eine Tunnelübung durchgeführt haben', sagt Heinz Weller bei der Abschlussbesprechung vor dem Betriebsgebäude. Im Großen und Ganzen habe alles gepasst. Probleme gab es allerdings mit der Funkverbindung. 'Das werden wir zeitnah testen', so der Kommandant. Die Rettungskräfte werden mit Getränken und Brezen für ihre Teilnahme entlohnt. Es gibt auch Bier. Ein weiterer Unterschied zu einem realen Einsatz.

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