Godard & Bebelaar
Tuba, Serpent, Singstimme und Klavier ergeben verrückte Klänge

Nicht mehr in der Turbinenhalle, sondern in kleinem, feinem Saal präsentiert das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) heuer seine «Jazzperlen». Auf dem Bühnenpodium werkelten zum Einstieg der fünfteiligen Reihe der Pariser Michel Godard an Tuba, Serpent und E-Bass sowie am passend-uralten Steinwayflügel der Badener Patrick Bebelaar.

«Modern Jazz» ist angesagt - also alles außer Blues, Swing und Konsorten. Da öffnet sich ein riesiger Spiel-Raum für eigene Erfindungen, in schönem Wechsel, einmal von Godard, dann von Bebelaar. Dass sich die beiden Profis seit zehn Jahren nahtlos aufeinander eingespielt haben, hört man leicht an verblüffend-plötzlichen Unisono-Passagen, mitten im Stück.

Einmal - «Close Your Wings» heißt der Titel - installiert Godard anfangs eine Ostinato-E-Bass-Schleife am Mischpult, im 3/4-3/4-2/4-Wechseltakt. Dazu zelebriert er auf dem schlangengleichen Karbon-Serpent seine Beschwörungsmelodien, und auf den Klaviersaiten zirpt dazu Pianist Bebelaar mit einem Saftglas. Alles sehr ruhig, meditativ, ansprechend. Noch.

Spektakulär allerdings ist die ausgefuchste Mehrstimmigkeit, die Godard seiner Tuba entlockt. Er spielt sichtbar solo, aber Zirkularatmung und die Singstimme lassen - Posaunist Mangelsdorff grüßt - zwei, sogar drei Stimmen gleichzeitig ertönen. Das Piano-Solo von Patrick Bebelaar (über den Standard «My One And Only Love») klingt im ersten Teil berückend «schön» in seiner melodiös-gospeligen Vollgriffigkeit - im zweiten Teil bebopartig schnell, hasenflink hakenschlagend.

Ein unkonventioneller Tango mit witzigen Glissando-Spritzern im Echo auf Klavier und Tuba lässt die verschmitzte Ironie der beiden aufblitzen. Und zum Schluss springt aus Thelonious Monks «Round-Midnight»-Paraphrase ein Löwe, Wim-o-weh, «The Lion Sleeps Tonight!» Modern Jazz das Ganze, mit Unterhaltungsfaktor.

Im AÜW noch zu hören: Twelve Strings (am heutigen Dienstag, 20 Uhr), Talking Horns (Mittwoch, 20 Uhr) und Pianist Christoph Stiefel (Donnerstag, 20 Uhr).

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