Rücktritt
Trotz Plagiatsaffäre zeigen Kemptener Bürger Sympathien für zu Guttenberg

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Jürgen Simion ist im ersten Moment völlig entgeistert. So sehr, dass ihm spontan ein Ausruf entfährt: «Ja spinnt der jetzt?» Es ist die Nachricht vom Rücktritt des Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, die den 26-Jährigen so überrascht. Und zwar negativ. Aus seiner Sicht nämlich hätte Guttenberg im Amt bleiben sollen. Eine Ansicht, mit der der Kemptener an diesem Nachmittag nicht alleine ist. 2009, im Bundestagswahlkampf, waren Guttenberg bei seinem Auftritt auf dem Kemptener Rathausplatz die Herzen mehrerer tausend Allgäuer zugeflogen. Die Affäre um seine Doktorarbeit hat daran für viele nichts geändert.

Es ist gegen 13.30 Uhr. Jürgen Simion sitzt gemeinsam mit seinen Freunden Melanie Prestele und Frank Schönmetzler draußen vor einem Café in der Innenstadt. Dass Guttenberg knapp zwei Stunden zuvor seien Rücktritt verkündet hatte, wissen die drei noch nicht. Dementsprechend verdutzt nehmen sie die Neuigkeit auf.

«Sonst trennt man doch auch Privates und Berufliches», meint Simion. Unverständnis für den Rücktritt auch bei der 30-jährigen Melanie Prestele: «Als wenn das unser größtes Problem wäre», kommentiert sie die Aufregung um Guttenbergs Doktorarbeit in den vergangenen Tagen.

Ein paar hundert Meter weiter sitzen Elisabeth Jorkisch und Leonhard Müller ebenfalls beim Kaffee. «Ja, ich habe es auch gerade erfahren», sagt die 62-Jährige. Wie sieht sie Guttenbergs Rücktritt? «Es ist schade. Der ist so sympathisch und weicht von den anderen ab.»

Der 44-jährige Leonhard Müller hält dagegen: «Also ich finde es nicht schlecht, dass er zurückgetreten ist. Man kann sich nicht einfach nur hoch schummeln.» Jorkisch zuckt mit den Schultern: «Man muss aber schon fragen, warum es ausgerechnet jetzt darum geht - jahrelang hat das Thema keinen interessiert.» Da habe, vermutet die 62-Jährige, doch jemand bewusst am Stuhl des Verteidigungsministers gesägt. Und bei dieser Einschätzung stimmt auch ihr Bekannter zu.

«Das ging nun doch ganz schön schnell», kommentiert ein Mann mittleren Alters die Bilder vom Guttenberg-Rücktritt, die in einem Elektronikladen über zwei ausgestellte Flachbildschirme flimmern. Mehrere Kunden sehen sich den Bericht an, schütteln den Kopf.

«Ich war entsetzt, als ich das gerade im Fernsehen gesehen habe», bringt die 56-jährige Annegret Gallo ihre Stimmungslage auf den Punkt. Sie vermutet eine Kampagne hinter den Vorwürfen gegen Guttenberg - «weil er jung und erfolgreich ist und bei den Soldaten super ankam und auch bei uns normalen Leuten». Als Mutter eines Bundeswehrsoldaten habe sie seine Arbeit als Verteidigungsminister geschätzt.

 

Karl-Theodor zu Guttenberg begeisterte bei seinem Auftritt 2009 in Kempten tausende Allgäuer. Sein Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre wurde gestern unterschiedlich aufgenommen - viele Kemptener bedauerten ihn.

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