Trockenheit bringt Buchdrucker ins Schwärmen

Von Alexandra Decker | Marktoberdorf/Ostallgäu Mit einem Borkenkäferbefall fast 'biblischen Ausmaßes' rechnen Experten laut Gerhard Limmer, Abteilungsleiter beim Amt für Landwirtschaft und Forsten Kaufbeuren. 'Die Bäume leiden wegen des trockenen Winters und Frühjahrs unter erheblichem Wasserverlust', so Limmer. Damit fehlt ihnen ihre wichtigste Waffe gegen den Käfer. Bohrt sich dieser nämlich in die Rinde, bauen die Bäume normalerweise mit Feuchtigkeit Gegendruck (Saftdruck) auf.

Während die Bäume also die Äste hängen lassen, kommen Borkenkäfer, wie Buchdrucker und Kupferstecher, wegen der Trockenheit geradezu ins Schwärmen - und das um einiges früher als sonst. 'Im nördlichen Landkreis fliegen sie bis zu vier Wochen, in den alpinen Regionen bis zu zwei Wochen früher', sagt Limmer. Laut Johann Nägele, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Marktoberdorf, sind die Krabbler teilweise bereits unterwegs. 'Wir haben schon erste Befallsmeldungen bekommen', sagt er. 'Und heuer werden sicher noch einige folgen.' Betroffen sind fast ausschließlich Fichten, weil 'ihr Bestand am größten ist', sagt Limmer. Für die Waldbesitzer bedeutet das kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren - und dann schnell handeln. Käferbefall zeigt sich je nach Käferart am Stamm durch braunes oder weißes Bohrmehl (ähnlich wie Schnupftabak). Außerdem werden die Krone und einzelne Äste braun. Löst sich die Rinde bereits, ist der Käferbefall laut FBG-Vorsitzendem Nägele schon weit fortgeschritten.

Für jeden Käferbaum gilt: Umgehend raus aus dem Wald und laut Limmer mindestens alle acht Tage prüfen, ob umstehenden Bäume befallen sind. Chemische Spritzmittel empfiehlt er nur Fachleuten. Borkenkäferfallen sind nicht besonders effektiv. Prophylaktisch kann der nächste Kranz von Bäumen um die kranke Fichte entfernt werden. Dabei müssen nur Fichten gefällt werden. Das selbe gilt für umgestürzte Bäume: Fichten müssen sofort raus. Der Rest kann liegen bleiben.

Käfer drückt Holzpreis

Das aufgearbeitet Holz muss mindestens 500 Meter entfernt vom nächsten Fichtenbestand gelagert werden, denn es ist ein beliebtes Borkenkäfer-Heim. 'Es eignet sich aber noch als Bauholz. Die Käferlöcher sind nur eine optische Sache', betont Limmer. Vor allem stark befallenen Bäume werden laut Nägele jedoch für minderwertige Holzwaren, wie Paletten, verwendet. Für dieses Jahr rechnet Nägele mit viel Käferholz, was eine Preisminderung auf dem Markt nach sich ziehe.

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