Treiben am Rathaus manchem ein Dorn im Auge

Von Andreas Filke | Marktoberdorf 'Ich traue mich kaum noch in die Tiefgarage, so wie’s da stinkt. Und der Rathausplatz ist langsam ein versiffter, dreckiger Platz', beschwert sich eine Marktoberdorferin bei unserer Zeitung. Auch bei der Polizei wird, wenn auch selten, über die Zustände geklagt. Regelmäßig lassen sich Heranwachsende im Bereich des Rathaus-Anbaus nieder, unterhalten sich, streiten sich dann und wann lautstark, werden manchmal handgreiflich, trinken Alkohol, manche Flasche geht zu Bruch. Während die Stadt überlegt, wie dem Einhalt geboten werden kann, sind die jungen Menschen frustriert: 'Wohin sollen wir denn? Überall werden wir vertrieben.'

Das Gesundheitsamt, die Buchel, der Skaterplatz, Parkflächen bei örtlichen Supermärkten - es gebe kaum einen Ort, den sie nicht schon aufgesucht hätten, sagen sie. 'Fast alle von uns haben doch schon eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch', räumt ein Jugendlicher ein.

'Wo sollen wir denn hin?' Diese Frage stellen sie sich immer wieder. Sie, das sind rund 20 Personen, nach eigenem Bekunden arbeitslos. Und ihr Zuhause? 'Das ist bei den meisten nicht so toll. Da sind wir lieber unter uns.'

'In den Jugendtreff kannst du nicht gehen - da sind so viele Ausländer', sagt einer. Mögen diese Vorbehalte auch unbegründet sein, so macht einer das Dilemma aus seiner Sicht an zwei Punkten fest. Der erste: 'Wir brauchen mal einen Platz für uns.' Und der zweite: 'Keiner kümmert sich um uns.'

Offen für Gespräche

Im Gegensatz zu ihren Altersgenossen in Großstädten sei die Gruppe für Gespräche noch zugänglich, weiß Alfred Immerz, stellvertretender Leiter der Marktoberdorfer Polizei. Wenn Beschwerden kämen, führen die Beamten zum Rathausplatz und gingen der Sache nach. Ebenso werde 'präventiv' mit dem Streifenwagen vorbeigefahren. Denn vom Grundsatz her sei nichts dagegen einzuwenden, wenn sich die jungen Leute dort niederließen - sofern sie keinen Unrat hinterließen oder gar Straftaten begingen. 'Eine Patentlösung gibt es nicht.'

Die sieht Bürgermeister Werner Himmer ebenfalls nicht. Auch er sucht nach eigenen Abgaben ab und zu das Gespräch mit der Gruppe und weist auf die Probleme Lärm, Alkohol und Dreck hin. 'Punktuell' funktioniere es anschließend besser. Wenngleich auch nicht über einen längeren Zeitraum.

Daher werde im Rathaus überlegt, ein Alkoholverbot auf öffentlichen Flächen auszusprechen und dies in eine entsprechende Satzung zu gießen, wie sie zum Beispiel in Kempten gelte. Auch Immerz sieht darin einen 'Ansatz, der was bringen könnte'. Er, Himmer, habe im Prinzip nichts dagegen, wenn die Leute sich auf dem Rathausplatz treffen, aber: 'Es wäre schon viel damit geholfen, wenn sie den Platz ordentlich hinterließen.' 'Wir versuchen’s ja - aber es klappt halt nicht immer', räumt einer aus der Gruppe achselzuckend ein.

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