Allgäu
Trainieren, wenn Freunde baden gehen

In den Vereinen im südlichen Oberallgäu wird nicht nur großer Wert auf Breitensport gelegt. Ziel ist es auch, Nachwuchssportler zu fördern und an die Spitze zu bringen. Wir stellen die größten Talente der Region vor.

Oberstdorf Alles fing an im Kindergarten mit einem Ausflug zum Eislaufen. Isabelle Glaser war da vielleicht vier Jahre alt und kaum das erste Mal auf dem Eis. Doch es stellte sich gleich heraus: Das Mädchen ist ein Naturtalent. Und gleich vor Ort und Stelle wurde sie gefragt, ob sie nicht dabei bleiben wolle. Das ist heute mehr als zehn Jahre her, und seitdem ist Isabelle nicht nur Bayerische Meisterin geworden, sondern auch bereits Siebte beim Deutschlandpokal. Es sind ihre bislang größten sportlichen Erfolge, zu denen allerdings nicht nur Isabelles Naturtalent geführt haben, sondern auch hartes, jahrelanges Training.

Unter der Woche steht die heute 16-Jährige jeden Tag auf dem Eis. Dazu kommen Ballettstunden für eine gute Körperhaltung und das Training für Sprungkraft, Koordination und Ausdauer. Am Wochenende trainiert die Gymnasiastin sogar drei Stunden, hat aber immerhin einen Tag in der Woche meist frei. Ohne Spaß an der Sache ließe sich dieses Trainingspensum kaum absolvieren, das weiß auch Isabelle. «Das Eiskunstlaufen hat mich von Anfang an fasziniert», erzählt sie. «Vor allem, weil es abwechslungsreich ist und nie langweilig wird. Man macht jeden Tag etwas anderes, probiert zum Beispiel verschiedene Sprünge.»

Die Sprünge sind Isabelles größte Stärke auf dem Eis. Denn: Sie kann sich sehr schnell drehen, meint ihr Trainer Karel Faifer. Verbessern könne sie sich allerdings noch in der B-Note. «Für eine 16-Jährige hat sie eine hervorragende Ausgangsbasis», attestiert ihr der Trainer gute Aussichten für die Zukunft. Faifer: «Isabelle ist eine Eiskunstläuferin, die mit dem Kopf läuft. Sie merkt sich Fehler und arbeitet an sich.» Die 16-Jährige sei beim Training sehr konzentriert, klug und konsequent.

Im Moment liegen die meisten Wettkämpfe hinter Isabelle, das Training läuft in diesen Wochen und Monaten eine Spur gelassener ab, sagt die Oberstdorferin. «Ohne den Wettkampfdruck kann ich mehr ausprobieren», erzählt sie. Lust aufs Training hat Isabelle fast immer. «Und selbst wenn es mal an einem Tag nicht so gut läuft, ist das ein Ansporn fürs nächste Training», sagt sie.

Morgens am Frühstückstisch bespricht die Familie meist, wie der Tag ablaufen soll. «Meine Familie unterstützt mich, baut mich auf vor Wettkämpfen, und gibt mir das Gefühl, dass jemand hinter mir steht, auch wenn es mal nicht so klappt.» Nach der Schule gibt es Mittagessen, danach folgt zwei Mal Training, dazwischen die Hausaufgaben. An manchen Tagen, gibt Isabelle zu, fällt es ihr schon ein wenig schwer, das alles so durchzuziehen - etwa, wenn das Wetter schön ist und ihre Freundinnen ins Schwimmbad gehen. «Aber ich habe ein Ziel, darauf arbeite ich hin», sagt Isabelle ehrgeizig. Irgendwann möchte sie einmal bei den Olympischen Spielen dabei sein und vorher beim Deutschlandpokal noch weiter vorne landen. «Unter den ersten drei wäre toll.»

Ihre Freundinnen haben Verständnis dafür, dass Isabelle so viel Zeit in den Sport investiert. «Eine Freundin von mir ist auch sehr sportlich, die kennt das», berichtet Isabelle. Wenn das Lernen wegen des Trainings mal zurückstecken muss, helfen ihre Freundinnen ihr auch in der Schule, Stoff nachzuholen. Oft komme das allerdings nicht vor: «Sport steht für mich an erster Stelle. Aber die Schule ist auch wichtig, damit ich neben dem Eiskunstlaufen noch etwas in der Hand habe», sagt Isabelle, die im Jahr 2012 Abi macht. Beruflich würde sie gern nach der Schule irgendetwas machen, das mit Sport zu tun hat - «denn ganz ohne Sport geht es für mich nicht».

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