Memmingen
Tränen der Rührung und entsetzte Verwandte

Es ist eines der bedeutendsten Ereignisse in der deutschen Geschichte: Am 9. November 1989 ist die Berliner Mauer gefallen. Was vor 20 Jahren geschah, ebnete den Weg für die deutsche Wiedervereinigung. Wir haben unsere Leserinnen und Leser aufgefordert, uns von ihren Erinnerungen an den 9. November 1989 zu erzählen. Sie berichten von Tränen der Rührung, enttäuschten Verwandten und wie sie von den epochalen Geschehnissen hoch über den Wolken erfuhren haben.

Hier die Erinnerungen der Memmingerin Brigitte Gröschel: «Auch mein Mann und ich saßen an diesem denkwürdigen Tag gespannt und aufgeregt vor dem Fernseher, zusammen mit Tante Christl und Onkel Richard aus der ,Ostzone, die seit ein paar Tagen in der Memminger Verwandtschaft herumgereicht wurden. Jahrelang hatten wir Bohnenkaffee und Strumpfhosen, Südfrüchte und in Bonbonpapier versteckte Herzmedikamente rüber geschickt. Dafür kamen immer vor Weihnachten ein Dresdner Stollen und selbst gebackene Kekse.

Zu großen Familienereignissen durfte mal der eine, mal der andere über die innerdeutsche Grenze. Ein Lebenspartner blieb drüben, zur Sicherheit, als Pfand fürs Zurückkommen.

Diesmal war es endlich geschafft! Alt genug, im Ruhestand, fröhliche Rentner, unnütz für den Arbeiter- und Bauernstaat, durfte das Ehepaar gemeinsam ausreisen - und gegebenenfalls auch im Westen bleiben.

Während uns angesichts des Jubels an der Berliner Mauer das Herz höher schlug und Tränen der Rührung in die Augen traten, blickte das Rentnerpaar - ihres so lang und heiß ersehnten Privilegs beraubt - zunächst ungläubig, dann enttäuscht, ja entsetzt auf den Bildschirm: «Jetzt dürfen ja alle rüber kommen.»

«Unmögliche Zustände»

Auch vor dem geistigen Auge von Gertrud und Walter Saur aus Memmingen läuft noch detailliert ab, was vor 20 Jahren geschah: «Nach einem anstrengenden und arbeitsreichen Sommer konnten mein Mann und ich erst ab Mitte Oktober 1989 unseren Urlaub antreten. Wir verbrachten zehn wunderschöne Tage am See Genezareth in Israel, verbunden mit einem Besuch unserer Partnerstadt Kiryat Shmona.

Die Berichte über die Vorfälle in der damaligen DDR verfolgten wir mit großem Interesse. Wir hatten uns bei unseren Verwandtenbesuchen im Erzgebirge immer wieder von den oft unmöglichen Zuständen in diesem Land überzeugen können (Bespitzelung, Überwachung usw.).

Als wir am 10.November im Flieger Richtung München saßen, sprach mich eine Jüdin an, die neben mir im Flugzeug saß: «Wissen Sie auch, was in Deutschland passiert ist? Die Berliner Mauer ist gefallen!» «Die Berliner Mauer, das kann nicht sein», war meine Antwort. «Doch, doch die Grenzen sind offen, die DDR-Bürger dürfen in den Westen!»

Kreis schließt sich

Für meinen Mann und mich hatte sich damit der Kreis geschlossen. Als die Mauer 1961 gebaut worden war, befanden wir uns gerade auf Hochzeitsreise in London. Dort brachten alle Zeitungen große Berichte über das Ereignis. Sogar von «war» (Krieg) war die Rede und wir fürchteten schon, nicht mehr nach Hause zurück zu können.»

Liebe Leserinnen und Leser, wir werden weitere Beiträge veröffentlichen. Schicken Sie Ihre Erinnerungen bitte an die

Memminger Zeitung

Donaustraße 14

87700 Memmingen Mail: redaktion@mm-zeitung.de

Fax: (08331) 109-188

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