Kurzfristige Buchungen im Trend
Tourismus im Allgäu: So liefen die Osterferien

Das Allgäu im Frühling: Vor allem für Familien ein touristisch gesehen magischer Anziehungspunkt.
  • Das Allgäu im Frühling: Vor allem für Familien ein touristisch gesehen magischer Anziehungspunkt.
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Wie war Ostern im Allgäu? Die Berge weiß, die Täler grün, eine magische Landschaft, die normalerweise Jahr für Jahr Touristen ins Allgäu lockt. 2022 waren die dritten Osterferien seit Beginn der Corona-Pandemie. Seit März 2020 hat im Allgäu der Bereich Tourismus / Gastronomie besonders gelitten. Nachdem es jetzt weitreichende Lockerungen gegeben hatte, sollte sich der Tourismus langsam wieder erholen. Wie hat sich das Geschäft entwickelt? Wir haben bei der Allgäu GmbH nachgefragt, der offiziellen Dachorganisation für Tourismus im Allgäu. Unterschiedliche Allgäuer Tourismus-Regionen haben daraufhin ihre Einschätzung gegeben.

Schwangau

Tourismus- und Gastrobetriebe in Schwangau (südliches Ostallgäu) zeigen sich mit dem Ostergeschäft "zufrieden, auch wenn die Buchungen erst recht kurzfristig kamen", so Kerstin Schneekloth von der Gemeinde Schwangau. Insgesamt erkennbar ist demnach der Trend, dass sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer weiter erhöht. Gäste bleiben länger, ein sehr schöner Trend. Insgesamt zeichnet sich also ab, dass die Menschen im Raum Schwangau weniger Kurzurlaube buchen, stattdessen gleich den Familienurlaub dort verbringen. Konkrete Zahlen gibt es allerdings momentan noch nicht.

Oberstaufen

Im Raum Oberstaufen (südliches Oberallgäu) verliefen die Osterferien ebenfalls sehr positiv. Die Gastro- und Tourismus-Betriebe "hatten gut zu tun, auch wenn teilweise sehr kurzfristig gebucht wurde", heißt es. Für das kurzfristige Buchungsverhalten verantwortlich war wohl die recht durchwachsene Wetterprognose bis vor Ostern. Verglichen mit den letzten Vor-Corona-Osterferien im Jahr 2019 war die Woche nach Ostern 2022 leicht schwächer gebucht. Bei Oberstaufen Tourismus führt man den Rückgang auch auf die weltpolitische Situation (Ukraine-Krieg) zurück. Langfristige Trends lassen sich allerdings noch nicht absehen. "Insgesamt reisen Gäste auch aus Bundesländern an, die sonst nicht so stark Oberstaufen gebucht haben", so Lukas Lange von Oberstaufen Tourismus. Zuwächse gibt es vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Auch in Oberstaufen sieht man den Trend, dass sich die Aufenthaltsdauer verlängert und Familien ihren Haupt-Urlaub im Allgäu verbringen: "Die Vorbuchungslage für die Monate Juni bis Ende September ist sehr gut und man kann positiv in die Zukunft schauen."

Nesselwang

Auch in Nesselwang (südliches Ostallgäu) ist man mit dem Ostergeschäft zufrieden. "Wir waren für die Jahreszeit gut ausgelastet. Gerade die Osterfeiertage verliefen positiv", so Pirmin Joas von der Gemeinde Nesselwang. Verglichen mit der Vor-Corona-Zeit liegt der Tourismus in Nesselwang demnach fast auf dem gleichen Niveau. Auch in Nesselwang haben die Gäste tendenziell kurzfristiger gebucht. Die Buchungslage für die Sommerferien ist momentan absehbar gut, die meisten Betrieben haben allerdings noch Kapazitäten. "Wir werden aller Voraussicht nach ein gutes Jahr erleben", so Joas.

Oberstdorf

In Oberstdorf (südliches Oberallgäu) lag die Auslastung in der Osterzeit bei etwa 25 Prozent, ein Wert, der auch in der Vor-Coronazeit nicht unüblich war (z.B. im Jahr 2017). Dementsprechend ist man in Oberstdorf mit dem Ostergeschäft zufrieden. Genaue Zahlen liegen allerdings noch nicht vor. Verglichen mit 2017 geht der Trend etwas weg von Hotes-Aufenthalten, hin zu Ferienwohnungen und Gästehäusern/Pensionen. Insgesamt gab es auch in Oberstdorf wetterbedingt mehr kurzfristige Buchungen. "Eine Vorausplanung wird für den Hotelier und den Gastronomen immer schwieriger", so Thomas Klein von der Gemeinde Oberstdorf. Der Trend geht zum längeren Aufenthalt, weg von Kurztrips. "Mit den steigenden Spritpreisen überlegt sich der Urlauber genau, ob er die Mehrkosten für die Anreise trägt oder auf die Kurzreise verzichtet", so die Einschätzung. Die Vorausbuchungen waren bisher zufriedenstellend, in den letzten 6 Wochen stockt es etwas. Ob der Sommer - wie 2021 - heuer die höchste Auslastung im Jahr bringt, lässt sich noch nicht vorhersagen. Aber: Die weltweit wieder zur Verfügung stehenden Möglichkeiten werden sich auf die Sommerzahlen im Allgäu nicht positiv auswirken, hinzu kommt die bedenkliche Entwicklung der Energiepreise.

Memmingen

Was in Memmingen (Unterallgäu) momentan sehr gut läuft, ist die Gastronomie. "Vor allem Tagesgäste nutzen die Gelegenheit, bei gutem Wetter ihr Näschen aus der Höhle zu strecken, und starten erste Ausflüge in die Region, in diesem Fall zu uns nach Memmingen", so Doreen Seeberger, Leiterin von Memmingen Tourismus: "Die Anfragen nach Stadtführungen sind riesig und wir kommen hier kaum hinterher - es ist endlich wieder richtig was los!" Die Auslastung der Memminger Hotels in den Osterferien war gut. Bei den klassischen Ferienhotels lag die Auslastung bei den Betten deutlich über 50 Prozent. Ein paar spontane Übernachtungen kamen dazu. Insbesondere im Zusammenhang mit größeren Veranstaltungen gibt es einen Aufwärtstrend bei den Übernachtungen. "Wir lagen im Februar bei rund 80 Prozent des Volumens aus dem Vorpandemiejahr 2019. Das sollte sich über Ostern nochmal deutlich verbessert haben", so Seeberger. Konkrete Zahlen gibt es allerdings noch nicht.

Füssen

In Füssen (südliches Ostallgäu) hat man den Eindruck, "dass die Destination 'Allgäu' sehr gefragt ist", so die Einschätzung von Anke Hiltensperger von der Stadt Füssen. Auch in Füssen geht der Trend zu kurzfristigen Anfragen und Buchungen. Laut Auswertung des FERATEL-Systems für die Unterkunftsbelegungen war die erste Osterferienwoche 2022 besser gebucht als die zweite Ferienwoche. Für die Sommersaison gibt es aktuell noch zahlreiche Unterkünfte (Ferienwohnungen, Pension, Hotel), um den Urlaub zu buchen. 

Kempten

Direkt über das Osterwochenende waren die Kemptener Hotels kurzfristig recht gut gebucht, unter der Woche in den Ferien weniger gut. "Die Zahlen sind etwa auf dem Niveau der Jahre vor Corona", so Sarah Rothmund von Kempten Tourismus. In Kempten ist eine Tendenz hin zum Freizeittourismus erkennbar (weniger Businessgäste). In den letzten beiden Sommern waren viele Urlaubsgäste zu verzeichnen, die ihren Aufenthalt in Kempten als Ausgangspunkt zur Erkundung des Allgäus und weiterer Ausflugsziele wie dem Bodensee nutzen. Für den Sommer sind die Kemptener Hotels noch nicht ausgebucht, rechnen aber wieder mit einem guten Sommer und vielen kurzfristigen Buchungen. Anfragen, Prospektbestellungen und Buchungen gibt es schon viele, "das lässt ein großes Interesse bis in den Sommer erahnen", so die Einschätzung von Rothmund.

Wertach

In Wertach (südliches Oberallgäu) war das Buchungsverhalten der Gäste in den Osterferien 2022 zunächst sehr verhalten. "Die Auslastung ist etwas gestiegen, war aber immer noch gering, wie zu dieser Jahreszeit üblich", so Gudrun Gessenauer von der Gemeinde Wertach. Die Wertacher Tourismus- und Gastronomiebetriebe sind demnach noch nicht zufrieden. Trotzdem: "Das Allgäu wird als Urlaubsziel gerne ausgewählt, da eine Anreise mit dem PKW möglich ist", so Gessenauer. Kurzzeiturlaube sind in Wertach nach wie vor im Trend, es gibt aber auch wieder Buchungen bis zu drei Wochen. "Wir gehen davon aus, dass die Gäste immer noch eher vorsichtig sind und gerne spontan buchen, obwohl es so aussieht, als dürfte dem Tourismus in diesem Sommer nichts im Wege stehen."

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