Konzertprojekt
Totenmesse für Opfer des Nazi-Terrors

2Bilder

Erneut machen Traugott Mayr und Frank Müller gemeinsame Sache. Die Leiter der evangelischen Kantoreien in Kaufbeuren (Mayr) und Kempten (Müller) führen am nächsten Wochenende in ihren Kirchen zwei Requien auf. Das eine, von Robert Schumann, ist ein selten aufgeführtes. Das andere, von Ståle Kleiberg, erklang noch gar nie in Deutschland und ist etwas ganz Besonderes: Es handelt vom Nazi-Terror und seinen Opfern. Titel des 2002 entstandenen Werks: «Requiem for the victims of Nazi persecution».

Es war ein Freund von Kirchenmusikdirektor Frank Müller, der das Requiem des Norwegers Kleiberg empfahl: Christian Hilz.

«Das geht unter die Haut»

Der Bass aus München, regelmäßig bei den Kantorei-Konzerten in Kempten zu Gast, sang bei der ersten und einzigen CD-Einspielung mit und steckte Müller mit seiner Begeisterung an. Kleiberg, Jahrgang 1958, verwendete nämlich nicht nur die lateinischen Texte der klassischen Totenmesse, sondern fügte auch Klagegesänge von drei Gruppen an, die in der Hierarchie der nationalsozialistischen Konzentrationslager ganz unten standen: der Juden, der Sinti und Roma sowie der Homosexuellen. Die poetischen Texte dazu stammen von Edwin Morgan. «Das geht unter die Haut und bewegt mich sehr», sagt Müller.

Schnell war für ihn klar, dass er dieses außergewöhnliche Werk nicht nur in der Kemptener St.-Mang-Kirche würde aufführen wollen. Also holte er sich als Partner Traugott Mayr und seine Kaufbeurer Kantorei mit ins Boot. Die Beiden lassen damit eine Kooperation aufleben, die es vor etlichen Jahren schon einmal gab, für das schwergewichtige Verdi-Requiem. Mayr ist vom Kleiberg-Requiem ebenfalls begeistert. «Inhaltlich und musikalisch hochinteressant», urteilt er. «Und erschütternd.»

Inzwischen haben die 50 Kaufberer und 90 Kemptener Sängerinnen und Sänger mehrere gemeinsame Proben hinter sich. Keine einfache Sache, wie Mayr berichtet. «Es ist immer sehr reizvoll, aber natürlich auch sehr anstrengend, etwas völlig Neues einzustudieren.

» Zumal Kleiberg die Tonalität über die herkömmlichen Grenzen hinaus weitet. Dennoch, so versichern Mayr und Müller, sei die Musik schön anzuhören. «Sie spricht den Zuhörer sehr direkt an, ist gut zugänglich, ja erinnert etwas an Filmmusik», erklärt Mayr. Kleiberg verarbeitete dabei auch traditionelle jüdische Musik sowie orientalische Klänge (die Sinti und Roma symbolisierend).

Romantisches von Schumann

Kombiniert wird dieses zeitgenössische Stück mit einem Requiem aus der Romantik: jenem in Des-Dur von Robert Schumann. Das gebe den Konzerten in Kempten und Kaufbeuren eine große innere Spannung, sind sich die beiden Protagonisten einig. (kpm)

 

Traugott Mayr

 

Frank Müller

Aufführungen:

Kempten: Samstag, 13. November (20 Uhr), St.-Mang-Kirche

Kaufbeuren: Sonntag, 14. November (20 Uhr), Dreifaltigkeitskirche Requiem Des-Dur op. 148 von Robert Schumann und Requiem for the victims of Nazi persecution von Ståle Kleiberg (Dt. Erstaufführung)

Montag, 8. November (19.30 Uhr) im Gemeindehaus der St.-Mang-Kirche Kempten (Müller); zur selben Stunde im Matthias-Lauber-Haus in Kaufbeuren (Mayr).

Gemeinschaftschor der ev. Kantoreien Kaufbeuren/Kempten, Collegium Musicum Kempten, Noemi Kiss (Sopran), Catherine King (Mezzosopran), Alexander Gnant (Tenor) und Christian Hilz (Bass)

Kaufbeuren Musikhaus Pianofactum, Telefon 08341/96 11 526

Kempten Musik Rimmel, Telefon 0831/2 27 76.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen