Heimenkirch
Torfabbau war gang und gäbe

Bis weit ins 20. Jahrhundert spielte der Torfabbau im Westallgäu eine große Rolle. Torf war auch in Heimenkirch eine bedeutende Quelle für die Energieversorgung der Bevölkerung. In der Nachkriegszeit waren Brennstoffe wie Holz und Kohle äußerst knapp. Anders als in der Stadt Lindenberg - am Waldsee wurde das Torfmaterial kommerziell abgebaut - wurde hier das Heizmaterial von Privatleuten mühsam abgebaut. Einen der alten Torfstiche haben nun Mitarbeiter des Heimenkircher Bauhofs wieder hergerichtet.

Über 100 Arbeitsstunden investierten die Männer rund um Siegfried Kretz, richteten einen Weg her, stellten eine Schautafel auf und legten den Torfstich wieder frei - dort, wo noch vor einigen Jahrzehnten das Heizmaterial abgebaut wurde. Der Torfstich im Hammermoos bei Heimenkirch ist Teil der Westallgäuer Wasserwege («Von der Quelle der Leiblach auf der Spur alter Mühlen»). Der Wasserweg um Heimenkirch ist mit der Schaustelle nun fertiggestellt.

Ortsheimatpflegerin Angela Feßler hat sich intensiv mit der Geschichte des Torfabbaus beschäftigt. «Torfabbau war in Heimenkirch bis nach dem zweiten Weltkrieg gang und gäbe», sagt sie. Im Dorf wurde das Brennmaterial allerdings anders als in Lindenberg privat genutzt.

Die Leute, die Recht auf den Torfabbau besaßen, konnten es vererben - wie ein Übergabevertrag der Familie Johann Georg Feßler aus dem Jahre 1830 zeigt. Dort heißt es: «Die Eltern behalten sich lebenslänglich bevor, das Schränzlein Moos in dem sie für ihren Gebrauch Brennwasen machen können.» «Fast jeder Hof hatte dieses Nutzungsrecht», so die Heimatpflegerin. Nach ihrer Einschätzung fand im gesamten Westallgäu der Abbau des Brennmaterials statt. «Überall, wo es ein Moor gab, wurde auch abgebaut.» In der Stadt heizten die Menschen im Gegenzug eher mit Kohle oder Holz.

Der Torfabbau bei Heimenkirch wurde auf umweltschonende Weise betrieben. «Die Arbeit wurde in der Regel im Frühjahr erledigt», wie Feßler sagt. Dabei mussten auch die Kinder mithelfen. Zuerst wurde die oberste Schicht im Moor abgetragen. Dann begann das eigentliche Stechen der sogenannten Torfwasen. Ein Arbeiter stach von oben den Torf senkrecht ab, ein zweiter trennte im Graben stehend das Material horizontal ab. Die Torfwasen hatten aufgrund der Werkzeugbeschaffenheit etwa die Größe eines Ziegelsteins. «Das Stechen war harte, körperliche Arbeit für die Menschen», so Feßler. Beteiligt waren zumeist vier bis fünf Personen. Zum Trocknen wurden die Torfwasen aufgestapelt.

Die Geschichte der Torfnutzung wird im Heimenkircher Hammermoos und am Lindenberger Waldsee wieder lebendig - einmal die private Nutzung, in der Bergstadt die kommerzielle.

Die Wasserwege im Internet:

www.westallgaeuer-wasserwege.de

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen