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Tödliche Treibjagd

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Wir alle wissen es: Das Leben im ländlichen Raum hat Vorzüge, aber auch Eigenheiten. Man kennt sich, man hilft sich, vor allem aber geht alles seinen gewohnten Gang. Umso krachender stürzen auf dem Lande die Fassaden der Normalität ein, wenn es ein einschneidendes Ereignis gibt. Das ist im Kern das Leitmotiv des neuen Regionalkrimis von Manuela Lewentz-Twer.

'Tödliche Treibjagd – Bittere Pille … aus der Walther PPK' – unter diesem Titel wird in dem 293 Seiten starken Werk der Organismus des Zusammenlebens auf dem Lande regelrecht seziert. Wie schon das Vorjahreswerk der in Kamp-Bornhofen aufgewachsenen Autorin ('Mörderjagd') spielt dieser Krimi am Mittelrhein zwischen Kaub und Braubach.

Wieder werden gut beobachtete Charaktere treffend beschrieben, die es überall in deutschen Landen gibt: Der Bürgermeister, der Landrat werden möchte. Die Assistentin eines Unternehmers, die auch Landespolitiker beeindruckt. Die feine Familie, die seit Generationen ihr Revier bejagt. Der Lokalredakteur, der sich gern zwischen alle Stühle setzt. Der Pfarrer, der seine Schäfchen kennt. Der Großbäcker, dem 120 Filialen nicht mehr als Herausforderung reichen – und, wer kennt so jemanden nicht, seine frustrierte Gattin.

Die Routine dieses eng verwobenen Zusammenlebens zerbricht jäh, als der doch eine Spur zu erfolgreiche Bäcker ausgerechnet bei einer Treibjagd regelrecht hingerichtet wird – kurz vor dem unterschriftsreifen Einstieg beim Flughafen Hahn. Alle sind verstört, viele sind verdächtig – und wieder kommt Kommissarin Jil Augustin nicht umhin, die Unruhe durch ihre Ermittlungen noch zu verstärken. Wie schon in 'Mörderjagd' kämpft die unverheiratete Frau Anfang 40 mit dem Auf und Ab ihres Privatlebens ebenso wie mit dem verzwickten Aufklären des komplexen Falles.

Manuela Lewentz-Twer gelingt es erneut, diesen Krimi trotz seiner Länge gut lesbar zu halten. Die Handlung wird, permanent wechselnd, gleichsam wie in einem flott geschnittenen Film, aus der jeweiligen Perspektive von rund zwei Dutzend Beteiligten geschildert – vom Opfer über dessen Umfeld und den Ermittlern bis hin zum lange unbekannt bleibenden Täter, der in beklemmenden Einschüben Einblicke in sein finsteres Denken gibt. Hilfreich ist dabei ein Personenverzeichnis zu Beginn des Werkes.

Erst kurz vor Ende fügen sich die vielen Puzzleteile zu einem Bild zusammen – und das ist düster: Das dunkle Kapitel einer geachteten Familie bricht zutage, die ungute Saat verscharrter Probleme schießt jäh empor, und wieder ist es so, dass es mehr als einen Schuldigen und noch mehr Verlierer gibt.

Manuela Lewentz-Twer: 'Tödliche Treibjagd – Bittere Pille . . . aus der Walther PPK', 293 Seiten, 19,99 Euro, Universitas-Verlag

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