Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Tödliche Schlägerei auf dem Tänzelfest: Opfer nicht gezielt ausgesucht

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Vor dem Kemptener Landgericht hat der Prozess gegen einen 37-jährigen Thüringer begonnen, der im vergangenen Juli einen 34-Jährigen auf dem Rummel des Kaufbeurer Tänzelfestes derart geschlagen haben soll, dass der Familienvater später daran starb.

Zur Last gelegt wird dem Angeklagten unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit versuchtem Mord. Der 34-jährige, aus Kasachstan stammende Kaufbeurer war offenkundig ein Zufallsopfer. Der Fall hatte damals bundesweit für Schlagzeilen gesorgt - auch, weil bei dem 37-Jährigen ein rechtsradikaler Hintergrund vermutet wird.

Bei Prozessauftakt behauptete der Mann nun, dass er sich an nichts erinnern könne. Schließlich sei er ziemlich betrunken gewesen. Ein Sicherheitsmann will ihn bei seiner Tat aber genau beobachtet haben. Für den Prozess sind zunächst vier Verhandlungstage angesetzt.

Ausländerfeindliche Parolen

Der Angeklagte war mit seinen sechs Arbeitskollegen (sie waren tagsüber mit Malerarbeiten am Klinikum beschäftigt gewesen) ins Bierzelt auf dem Kaufbeurer Tänzelfestplatz gegangen und hatten kräftig gebechert. Nachdem das Bierzelt nachts geschlossen wurde, suchte er Streit und pöbelte drei aus der früheren Sowjetunion stammende Männer an. Er beleidigte sie mit ausländerfeindlichen Parolen und begann zusammen mit einigen seiner Kollegen eine Prügelei, zog aber gegen die Männer den Kürzeren.

Als der Sicherheitsdienst des Festplatzbetriebes dazu kam, zog sich die Gruppe der Thüringer Arbeiter wieder zurück. Stocksauer über die Niederlage bei der Prügelei suchte der 37-Jährige dann aber weiter Streit. Das spätere Opfer (es war mit vier Arbeitskollegen nach der Schicht noch auf ein Bier auf das Fest gegangen) befand sich gerade zufällig auf dem Heimweg. Obwohl der 34-Jährige nichts getan hatte, erhielt er laut Anklage unvermittelt einen enormen Schlag vom Angeklagten gegen die Schläfe.

Dadurch zerriss die Hirnarterie. Augenblicklich verlor der Kaufbeurer das Bewusstsein. Er wurde zwar sofort von einem Sanitäter reanimiert - starb aber am übernächsten Tag im Krankenhaus. Der Angeschuldigte flüchtete, wurde allerdings kurz darauf nach Hinweisen des Sicherheitsdienstes unweit des Festplatzes von der Polizei gefasst.

Der 37-Jährige betonte im Gerichtssaal, er könne sich an nichts erinnern. Seine Anwältin stellte zudem grundlegend in Frage, ob ihr Mandant als Täter in Frage komme. Denn als Totschläger war von Zeugen immer ein Mann mit weißer, kurzer Hose und orangenem T-Shirt beschrieben worden. Das habe auch ein anderes Mitglied der Thüringer Gruppe getragen.

Ein Sicherheitsmann sagte aber, dass er den Angeklagten definitiv als Täter erkenne. Er stamme selbst aus Thüringen und habe sich vor der Tat lange im Bierzelt mit ihm unterhalten. Da sei der 37-Jährige noch ganz friedlich gewesen, wenn auch nicht mehr nüchtern. Und den Schlag gegen das Opfer will der Sicherheitsmann ebenfalls genau gesehen haben. Er sei direkt daneben gestanden.

Das Thema Rechtsradikalismus spielte am ersten Verhandlungstag kaum eine Rolle. Der 37-Jährige behauptete, unpolitisch zu sein. Allerdings hatte er in den vergangenen Jahren mehrfach Verfahren am Hals, weil er beispielsweise in einer Disco 'Heil Hitler' gebrüllt hatte. Der Prozess wird am nächsten Dienstag fortgesetzt.

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