Heimenkirch
Tierische Diskussion zum Thema Gewalt

In Heimenkirch gibt es laut Bürgermeister Markus Reichart zwar keine Straßenkämpfe, aber durchaus Formen von Gewalt, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. Sie würden sich beispielsweise dann zeigen, wenn sich Heimenkircher nicht mehr trauen, allein am Tretbecken oder der Turnhalle vorbeizugehen. Reichart war einer von fünf Podiumsdiskussionsteilnehmern, die am Donnerstagabend in der Alten Turnhalle in Heimenkirch über die Themen Gewalt und Gewaltprävention gesprochen haben. Als Mitveranstalter auf dem Podium dabei: CSU-Bundestagsabgeordneter Dr. Gerd Müller (Kempten).

Vor der Veranstaltung der CSU Heimenkirch wussten weder Müller noch die rund 80 Zuschauer, «was abgeht; mal was ganz anderes» (Müller). Neben eines Schaukampfes der «Crew Construction» aus Kempten unter Führung von Stefan Sauter waren es vor allem Vierbeiner, die immer wieder frischen Wind in die Diskussion brachten. Hunde jeder Größe und zwei Zwergschafe liefen durch die Reihen; Redebeiträge wurden von einem lauten «Määäh» begleitet.

Die Tiere von Elfi Schill aus Altusried (Oberallgäu), Fachberaterin für tiergestüzte Fördermaßnahmen, werden unter anderem bei verhaltensauffälligen Jugendlichen eingesetzt. Als «Co-Pädagogen» sollen sie beispielsweise Außenseiter das Gefühl geben, etwas wert zu sein. Der Hund Tomtom von Biologin Angelika Putsch - sie moderierte - soll das Selbstwertgefühl von Jugendlichen steigern.

Er gehorcht aufs Wort und vermittele den Jugendlichen ein Gefühl von Anerkennung.

15000 Euro gibt die Gemeinde Heimenkirch heuer für die Jugendarbeit aus. Die Politik müsse erkennen, dass ein großer Erziehungsbedarf besteht, sagte Reichart. Nämlich dann, wenn Großeltern nicht als Hilfe zur Verfügung stehen, beide Eltern aus finanziellen Gründen arbeiten müssen oder jemand alleinerziehend ist. Der Heimenkircher Jugendtreff unter «autonomer Führung» sei «in die Hose gegangen», so Reichart. Der Rathauschef verwies in diesem Zusammenhang aber auf einen neuen Treff, der in der kommenden Woche mit neuem Konzept eröffnet werden soll.

Was Tanz- und Kampfkunstpädagoge Stefan Sauter vermisst, ist Zivilcourage. Die Gründe dafür kenne er nicht, aber «keiner mischt sich mehr ein, schaut mehr hin», sagte er vom Podium ins Publikum und erntete für diese Feststellung Applaus. Speziell für Heimenkirch forderte Reichart zu Zivilcourage auf - zum Ausnutzen des eigenen Handlungsspielraumes, wie er es nannte. In der Gemeinde gebe es ein gutes Netztwerk zwischen Vereinen, dem Verein Jugend im Mittelpunkt (JiM), Kindergarten, Grundschule und Polizei. Auch die Gemeinde sei jederzeit Ansprechpartner.

Um Gewalt so früh wie möglich zu verhindern, bietet der Erziehungs- und Jugendhilfeverbund Lindau das Projekt «Erste Schritte» an, das Eltern - vor allem in belastenden Lebenssituationen wie finanzielle Not, Überforderung oder Sucht - schon während der Schwangerschaft berät und begleitet, sagte Diskussionsteilnehmer und Leiter der Erziehungsstelle des Landkreises Rupert Membarth.

Das Plenum war sich einig, dass Schulsozialarbeiter und Erzieher einen großen Beitrag zur Gewaltprävention leisten, dass es aber vor allem im Elternhaus auf die Vermittlung von Vorbildern und Werten ankommt. Müller war der Ansicht, dass das Erzieherische wieder einen neuen Stellenwert bekommen müsse. 70000 bis 100000 Euro kostet ein Heimjugendlicher laut Müller im Jahr. «Wir tun gut daran, in den Kindergärten anzufangen und auch die Eltern zu unterstützen.»

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen