Tiere sind süß - wenn sie kuschen

Wie innig wir Menschen Tiere lieben zeigt sich daran, dass wir unsere Liebsten gerne mit ihnen vergleichen: 'Mausi' schmiegt sich an den 'Knuddelbär', 'Hasi' läuft der 'süßen Schnecke' hinterher, das 'Täubchen' fliegt auf seinen 'Spatzi'.

So betrachtet braucht man sich über den Rummel um Baby-Bär 'Flocke' nicht wundern. Knuddelig und süß tappt er durch sein Gehege. Auch aus dem Allgäu pilgern Familien in den Nürnberger Zoo, um 'Flocke' zu sehen.

Wir lieben also Tiere. Ja, schon. Allerdings nur, solange sie brav kuschen. Wehe, wenn sie sich in freier Natur so verhalten, wie es ihnen ihr natürlicher Instinkt vorgibt. 'Mausi' oder die 'süße Schnecke' sind zwar nette Kosenamen, wenn sich aber einer von beiden im Gemüsebeet sehen lässt, rastet der Gartler aus. Sobald Wildschweine ihre Frischlinge in Allgäuer Maisfeldern spazieren führen, legen sich die Jäger auf die Lauer. Den Fischern an Iller und Lech schmeckt überhaupt nicht, dass den Kormoranen nur Fisch schmeckt. In allen Fällen lautet das gnadenlose Urteil: Dezimiert den Bestand.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: die Jagd auf Tiere muss sein. Der Mensch muss eingreifen, wo die Natur selbst nicht mehr in der Lage ist, alte sowie kranke Tiere auszusondern und eine Überpopulation zu verhindern. Doch passt es nicht zusammen, Wildtiere einerseits bis zum geht nicht mehr zu verniedlichen und anderseits nach Gutdünken mit ihnen umzugehen.

Was war man froh, als es gelang, den Biber wieder in der Allgäuer Natur heimisch zu machen. Doch jetzt machen Biber, was Biber eben so machen: Bäume umlegen. Deshalb soll die bayerische Staatsregierung, die das Biber-Programm unterstützt hat und deshalb wie immer an allem Schuld ist, nicht nur für die finanziellen Schäden aufkommen. Auf Wunsch einiger Ronsberger soll für den Biber auch der Jagdschutz aufgehoben werden.

Das gleiche Schicksal könnte die Ringeltauben im württembergischen Allgäu ereilen. Deren Bejagung hatte die EU stark eingeschränkt. Die Ringeltauben machen sich sich seitdem jedoch verstärkt über die Mais- und Raps-Saat her. Außerdem, begründet der Jagdverband seinen Antrag auf eine erneute Verkürzung der Schonzeit, 'verlieren die Wildtauben ihre natürliche Scheu und wandern in Städte ein'.

Das sollten die Tiere lieber bleiben lassen. Denn am Ende ist es doch so, dass der Mensch ein unberechenbares Raubtier ist, dem alle anderen Lebewesen weichen müssen.

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