Tiefes Schattenreich

Von Anna Köhl Marktoberdorf Man muss nicht unbedingt die italienische Sprache verstehen, um einen Zugang zu den Bildern von Giancarlo Bargoni zu finden. Die gewählten Titel unterstreichen dennoch jedes einzelne Motiv und eröffnen alleine durch ihren poetischen Klang eine endlos scheinende Weite, die sich eben nicht auf nur einen Landstrich beschränkt. 'Giancarlo Bargoni - präsentiert vom Kunstverein Marktoberdorf' stellt seine neuesten Werke im Künstlerhaus in Marktoberdorf vor.

Schlicht 'Bilder' nennt er seine umfangreiche Schau und setzt Akzente durch beigefügte Gedichtzeilen und Satzfragmente. Der 1936 in Genua geborene Künstler malt zumeist in Öl, benutzt neben dem Pinsel auch gerne die Hände und komponiert plastische Exponate mit einer ungeheuren Leuchtkraft. Tief im Schattenreich beginnen die Motive. Dann brechen aus der dunklen Schattenseite die Farben hervor, drängen das Schwarz bis an den äußersten Rand zurück, nehmen Platz auf dem Format und beginnen zu sprechen.

Immer wieder taucht diese Vorgehensweise auf, und immer wieder bestimmt Giancarlo Bargoni das Tempo, lässt seine eigene Melodie erklingen, erzählt eine neue Geschichte. 'Le strade del rosso - die Straße des Rots', 'Il sangue delle ninfee - Das Blut der Nymphen', oder einfach nur 'Nel cratere - Im Krater' überschreibt er seine großen Formate. Wie gesagt, man muss der italienischen Sprache nicht mächtig sein, um die poetische Ausdruckskraft erfassen zu können. Und selbst dieser wohl gesetzte Moment der Sinngebung, der die Ausstellung durchzieht, tritt mehr und mehr in den Hintergrund, wird ab einem bestimmten Zeitpunkt völlig unwichtig.

Denn wer vor der Kraterlandschaft steht, jenem Werk das im ersten Stock die Reihe eröffnet, der braucht keine Erläuterungen, der sieht selbst wie aus dem tiefschwarzen Grund die Lava hervorbricht. Sich mit unbändiger Kraft verteilt, durch nichts aufzuhalten ist und zu einem alles verschlingenden Ungeheuer wird. Als Vertreter der informellen Kunst stehen für Bargoni die Farben und die Verwirklichung ihrer grenzenlosen Möglichkeiten im Mittelpunkt seines Schaffens. Als Meister seines Faches verstärkt er ihre Wirkung durch die Stimmung des schwarzen Umraumes, dem Grundton, den er bewusst setzt und der von den Farben wie erobert werden muss. In jeder seiner Arbeiten lässt Bargoni dieses Ringen spürbar werden, feuert die gegnerischen Parteien an, gönnt ihnen keine Ruhepause und bestimmt exzellent den Ausgang des Kampfes. Seine Vita liest sich wie ein spannendes Buch, und in dem begleitenden Katalog zur Ausstellung erfährt man wie nebenbei, dass Bargoni in privaten, wie öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welt vertreten ist.

iDie Ausstellung im Künstlerhaus Marktoberdorf dauert bis 21. Januar und ist jeweils von Di. bis Fr. (15 bis 18 Uhr) geöffnet. Sa., So. und am 2. Weihnachtsfeiertag von 14 bis 18 Uhr. Führungen mit Simone Brenner: 10. Dezember und 7. Januar jeweils 15 Uhr. Geschlossen: 24., 25., 31. Dezember und 12. Januar.

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