Kriminalität
Tiefe Wunden in der Seele: Unterallgäuer (73) erzählt, wie er Opfer eines Wohnungseinbruchs wurde

Er muss keine Sekunde überlegen: '2. August 2014', sagt der Unterallgäuer. An diesem Tag haben der 73-Jährige und seine Frau ein Trauma erlitten, das sie bis heute nicht loslässt. Einbrecher haben in ihrem Haus regelrecht gewütet. Schmuck und Münzen fielen in ihre Hände.

Und, was die Psyche noch stärker erschüttert: Sie haben der Frau Briefe ihres Vaters gestohlen, die sie in einem Kästchen aufbewahrt hatte. "Diesen Verlust hat sie bis heute nicht verkraftet", klagt der Unterallgäuer. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im vergangenen Jahr stark gestiegen.

"Ich glaube, das hat mit einer Zunahme international agierender Banden zu tun", sagt Wolfgang Schmidt von der Memminger Kriminalpolizei. Was in den Statistiken nicht zu lesen ist: Viele Opfer leiden massiv darunter, dass Verbrecher dorthin vorgedrungen sind, wo man sich eigentlich am sichersten fühlt. "Die Privatsphäre ist dahin", sagt der 73-Jährige.

An diesem 2. August 2014 fahren er und seine Frau zur Schwägerin ins Oberallgäu. Als sie um 21 Uhr nach Hause zurückkommen, trifft sie fast der Schlag: "Alles war hell erleuchtet, in allen Räumen haben Kripo-Beamte fotografiert. Wir waren total konsterniert und haben erst gar nicht registriert, was passiert ist."

Eine Nachbarin berichtete ihnen dann als erste von dem Einbruch. Was das Unterallgäuer Paar im Haus vorfindet, übertrifft noch die schlimmsten Erwartungen. "Im Schlafzimmer waren die Türen von den Schränken weggerissen. Kleidung und alle Schubladen lagen auf dem Boden. Man kann sich das nicht vorstellen", schildert der 73-Jährige das Chaos, das die Eindringlinge angerichtet hatten.

"Meine Frau hatte viel Schmuck, auch Erbstücke. Das war zu einem großen Teil weg." Die Täter nehmen auch eine in Leder gebundene Münzsammlung mit, die der Mann von seinem Vater geerbt hatte. "Und Briefmarken-Alben waren in Stücke zerrissen." Das, was an diesem 2. August 2014 geschieht, fasst der 73-Jährige so zusammen: "Ein Gau für die Psyche."

Der materielle Schaden liegt bei rund 30.000 Euro. Die Täter aus Osteuropa waren nachmittags in das am Ortsrand gelegene Haus eingedrungen. Sie hatten eine Terrassentür aufgebrochen. "Es ist ein Trugschluss, dass Einbrecher immer nachts kommen", betont Kripo-Mann Schmidt. In dem Unterallgäuer Fall machen sie die Rechnung allerdings ohne eine Nachbarin. Sie sieht, wie der eine Täter zu dem Haus geht und der andere Schmiere steht.

Die Frau alarmiert die Polizei und geht auf das Nachbargrundstück, die Einbrecher flüchten. "Das war sehr mutig", sagt der 73-Jährige. "Wer die Polizei sofort benachrichtigt wie diese Frau, hilft uns sehr", lobt Wolfgang Schmidt von der Kripo.

Polizei nimmt Täter fest

Die Täter wurden inzwischen festgenommen, doch für das Unterallgäuer Paar ist die Sache noch lange nicht abgeschlossen. "Man will es verdrängen, aber jeden Tag hört man von neuen Einbrüchen. Dann hat man die Bilder wieder vor sich", klagt der 73-Jährige.

Seine Frau sei früher unerschrocken gewesen und habe bei offenem Fenster geschlafen - seit dem Einbruch ist das ganz anders: "Sie ist unsicher geworden. Wenn ich zwei Stunden aus dem Haus bin, klingelt mein Handy und sie fragt, wann ich nach Hause komme." Der Unterallgäuer hat erfahren müssen: "Die psychischen Folgen eines Einbruchs kriegt man nicht so schnell los."

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