Kaufbeuren
Taxifahrer wider Willen

Er wollte eigentlich nur einem Freund sein neues Auto vorführen, als er im Mai plötzlich zum Taxifahrer wider Willen wurde: Als der 21-jährige Student mittags in der Augsburger Straße auf seinen Spezl wartete, tauchte ein wildfremder Mann auf und wollte von ihm nach Neugablonz gefahren werden. Nach anfänglicher Zusage machte der junge Mann einen Rückzieher - was bei dem alkoholisierten 35-Jährigen zu einem plötzlichen Ausraster führte. Er packte den 21-Jährigen und stieß heftige Drohungen aus, woraufhin ihn der Student dann doch nach Neugablonz fuhr. Jetzt musste sich der Mann wegen räuberischer Erpressung vor dem Schöffengericht verantworten.

Wäre der bis dato unbescholtene Kaufbeurer wegen dieses Tatbestandes verurteilt worden, hätte ihm eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr gedroht. Dass er jetzt nicht wegen eines Verbrechens, sondern wegen eines Vergehens - nämlich Nötigung - verurteilt wurde, lag daran, dass er offensichtlich keine Bereicherungsabsicht hatte. Zum Auftakt des Gesprächs hatte er dem Studenten nämlich zwei Euro für die Fahrt geboten. Als Grund für die Aktion nannte er, dass ihm kurz zuvor «der Bus vor der Nase weggefahren» sei. Zu seiner damaligen Verfassung erklärte der Angeklagte, er habe sich am Vorabend «die Kante gegeben», weil ihn seine Frau zu Hause rausgeschmissen habe. Zum Zeitpunkt des Vorfalls sei er noch immer betrunken gewesen.

Dass das Gespräch anfangs noch in normalen Bahnen verlief, schilderten jetzt beide Beteiligte. Die Situation kippte, als der Freund des 21-Jährigen auftauchte und ihm von einer Mitnahme des Angeklagten abriet. Wie der junge Mann jetzt als Zeuge vor Gericht erklärte, habe nämlich ein Bekannter von ihm schon einmal Ärger mit dem Angeklagten gehabt. Laut Aussage der Zeugen rastete der Mann nach der Absage aus und drohte sie umzubringen. Das Ganze gipfelte offenbar in dem Satz: «Ich habe schon einmal einen Mann mit einer Schrotflinte umgebracht.» Der 35-Jährige bestritt dies zwar, räumte aber ein, «dass ich damals mit Sicherheit aggressiv geworden bin».

Auf der Fahrt nach Neugablonz war er dann wieder friedlich. «Aber natürlich habe ich mich dabei nicht ganz wohl gefühlt,» erinnerte sich der unfreiwillige Chauffeur. Der Richter konnte dies im Urteil gut nachvollziehen. Er fügte hinzu: «Man muss sich das einmal vorstellen: Man wartet im Auto, und irgendwann reißt ein Betrunkener die Türe auf und will mitgenommen werden.»

Dass der Angeklagte jetzt noch mit einer Geldstrafe davon kam, lag insbesondere an seinem straffreien Vorleben und seinem Geständnis. Mit 90 Tagessätzen zu je 40 Euro blieb der Richter knapp unter der Grenze zur Vorstrafe. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

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