Festgelände
Tausende haben auf der Festwoche gefeiert - Ein Besuch bei denen, die hinterher sauber machen mussten

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«Unter Abfall bzw. Müll versteht man nicht mehr benötigte Überreste im festen Zustand, was Flüssigkeiten und Gase in Behältern einschließt.» (Aus einer Online-Enzyklopädie) Kempten Morgengrauen. Die Königstraße gibt diesem Wort Samstagfrüh eine neue Bedeutung.

Langsam hebt sich die Dunkelheit über dem Kemptener Festwochengelände - und gibt so einiges frei, wovor einem wahrlich grauen könnte: Unmengen an Müll - zerdrückte Zigarettenschachteln, Servietten, Pappbecher, Glasscherben, Undefinierbares. Mehr als eine Woche lang hat die größte Party des Allgäus gedauert. Tausende haben bis gestern Abend gesungen, getanzt und getrunken - und dabei auch Tonnen von Müll und Unrat zurück gelassen.

Die Festwoche - zumindest für fast drei Dutzend Menschen wäre der Begriff Kehrwoche zutreffender. Für die Männer und Frauen von Betriebshof und Stadtgärtnerei, die jeden Tag noch in der Dunkelheit ausgerückt sind, um hinter dem Kemptener Partyvolk herzuräumen und das Areal bis um 10 Uhr wieder in ein Festgelände zu verwandeln.

Cordula Kessler gehört zu ihnen. Die Wegmacherin, so ihre Berufsbezeichnung, schwingt schon wieder den Reisigbesen. Und, gibt es besonders viel Müll heute? Die Wegmacherin winkt ab. << Geht noch >>, sagt sie. Am Eröffnungssamstag sei es viel schlimmer gewesen - eine Einschätzung, die viele << Saubermänner >> und << -frauen >> teilen. Zumindest bis Sonntagfrüh.

Die Besuchermassen am zweiten Festwochensamstag, als wegen des großen Andrangs das Gelände erstmals geschlossen werden muss, sorgen nämlich für einen neuen Schmutzrekord.

Nicht nur wegen des Mülls. Vor allem auch wegen besonders unappetitlichen Hinterlassenschaften feierfreudiger Festwochengänger auf dem Asphalt. << Das wird abgespritzt >>, erklärt Wegmacherin Kessler. Und zwar mithilfe eines Fahrzeugs mit Wassertank.

Christoph Gehring sitzt an diesem Morgen auch in einem Fahrzeug. Und zwar in seiner großen Kehrmaschine. Zweimal ist er die Königstraße schon abgefahren - Zentimeterarbeit bei den Tischen, an denen der Lkw vorbeinavigiert werden muss. Vom Taschentuch bis zur zerknüllten Zeitung - die Maschine kehrt und saugt ohne Unterlass.

War bei all dem Müll schon einmal etwas Interessantes dabei? Gehring legt die Stirn in Falten. << Ein einzelner Damenschuh, das war gestern >>, meint er dann - wobei man sich bei all den Scherben gar nicht ausmalen will, wie die Besitzerin nach Hause kam.

Bei den Wegmachern mit ihren Reisigbesen ist unterdessen Handarbeit angesagt. Unzählige Kippenstummel liegen in den Wiesen, die müssen alle herausgekehrt werden. Einer der Gärtnerei-Mitarbeiter blickt mit hochgezogenen Augenbrauen auf das, was einmal der Stadtpark-Rasen war. Ein Jahr werde kaum zur Erholung reichen, meint er. Eine Lastwagenladung Spielsand hat die Stadtgärtnerei im Grün verteilt - um eine Morastlandschaft zu verhindern. Dazu kommen drei Lkw-Ladungen Kies für die Wiesen- und Wegränder.

Massenweise Maßkrüge

Klock. Macello Mormone vom Betriebshof stellt mehrere Maßkrüge auf den Boden. Wieder haben viele die Krüge einfach ins Gras geworfen, statt sie bei den Sammelstellen abzugeben. Bis Mitte der Woche, so erzählt ein anderer, habe man um die 300 Krüge aufgesammelt und den Wirten zurückgegeben: << Das war ein Meer an Krügen. >>

Wie zur Bestätigung trägt der Wind einen Schwall abgestandenen Bierdunsts herüber, der sich mit dem unangenehmen Geruch nassen Abfalls mischt. In der Nacht hat es geregnet. Fürs Naserümpfen sind die Stadtmitarbeiter längst zu abgebrüht. Und zu sehr in Eile. Die Sonne ist eben aufgegangen. In einigen Stunden beginnt auf dem Messegelände der Festwochenendspurt. Zeit für die Saubermacher, sich unsichtbar zu machen. << Alle wollen feiern, die Arbeit sieht keiner >>, meint einer zum Abschied.

Draußen vor dem Festgelände streben die ersten Frühaufsteher und die letzten verstreuten Festwochengänger in Dirndln und Lederhosen den Bäckereien zu. Die Stadt wacht auf.

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