Kolping-Übungsfirma
Tam Schlachter hilft mit, Bewerber fit für den Arbeitsmarkt zu machen

Meistens lächelt sie. Tam Schlachter läuft zwischen den Schreibtischen hin und hier, gibt Hinweise, zeigt auf die Monitore und verteilt Aufgaben. 'Mein Traumberuf', wie sie lachend sagt, 'auch wenn ich viel lieber im Hintergrund arbeite'.

Es sieht aus wie in der kaufmännischen Abteilung eines echten Unternehmens, doch am Ende wird keine Bilanz erstellt. Und die Beschäftigten bekommen kein Gehalt. Ihr Lohn ist ein Mehr an Wissen.

Seitdem die Folgen des demografischen Wandels nicht mehr nur Teil der Prognosen sind, sondern längst die Wirklichkeit in vielen Unternehmen darstellen, rücken für die Arbeitsagenturen und Betriebe neue Zielgruppen in den Fokus.

Für Frauen und Männer, die nach einer familiär bedingten beruflichen Auszeit wieder einsteigen wollen, oder Berufsumsteiger stehen mehrere Qualifizierungswege offen. Einer davon ist die kaufmännische Übungsfirma, die vom Kolping-Bildungszentrum in Kaufbeuren angeboten wird.

Zahlreiche Bewerber haben die Übungsfirma in den vergangenen Jahren durchlaufen, um sich fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

'Die Teilnehmer können individuelle Bildungsziele verfolgen, je nach beruflicher Erfahrung, derzeitigem Kenntnisstand, angestrebtem Arbeitsplatz und der Arbeitsmarktlage', sagt der Leiter des Bildungszentrums, Rainer Strobl. Normalerweise verlassen die Teilnehmer die Übungsfirma spätestens nach sechs Monaten wieder.

Tam Schlachter (39) jedoch ist geblieben, nachdem sie selbst ihre Kenntnisse aufgefrischt hatte. Heute arbeitet sie bei Kolping als Ausbilderin. 'Ich habe mich schnell daran gewöhnt, die Seite zu wechseln', sagt sie in leichtem Allgäuer Dialekt.

Was Politiker heute so gern mit Integrationsbemühungen umschreiben, zieht sich bei der gebürtigen Vietnamesin wie selbstverständlich durch das ganze Leben. Ihre Familie flüchtete einst aus politischen Gründen aus dem asiatischen Land, fand Asyl im Allgäu und ließ sich auf eine für sie völlig neue Welt ein.

Nach ihrem Realschulabschluss lernte Tam Schlachter bei Swarovski in Neugablonz Groß- und Außenhandelskauffrau, arbeitete danach fünf Jahre bei der Sparkasse. Zwölf Jahre widmete sie sich dann daheim den drei Kindern. Viele Mütter, die nach Jahren wieder in den Beruf einsteigen möchte, werden sich darin wiedererkennen.

Tam Schlachter schrieb zahlreiche Bewerbungen auf Teilzeitstellen, hätte wegen ihrer schulpflichtigen Kinder am liebsten vormittags gearbeitet. Bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend gemeldet, absolvierte sie schließlich einen finanzierten Qualifizierungskurs in der Kolping-Übungsfirma.

'Das hat viel gebracht', sagt sie. 'Nach einem halben Jahr war ich auf dem neuesten Stand.'

Nicht nur Wissensvermittlung

Da Kolping gerade eine neue Mitarbeiterin gesucht hatte, blieb Tam Schlachter als Ausbilderin dort. 'Sie passt fachlich und menschlich hervorragend zu uns', sagt Leiter Rainer Strobl.

Er schätzt vor allem ihre ruhige und ausgeglichene Art. Davon, sagt er, profitierten auch die Teilnehmer, die aus ganz unterschiedlichen Gründen an einem Fortbildungs- oder Qualifizierungsangebot teilnehmen, die mitunter motiviert oder in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden müssten. Strobl: 'Wir vermitteln eben nicht nur Wissen.'

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