Betreuung
Tagesmütter klagen über zu wenig Kinder

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Es gab Zeiten, da ist Birgit Bunk im Morgengrauen unterwegs gewesen für ihre Arbeit. Hat mit dem Auto ihr Tageskind in der Innenstadt abgeholt, damit dessen Mama die Ausbildung bei einer Bäckerei abschließen konnte. Manche «ihrer» Kinder sind über Nacht geblieben - oder haben das Wochenende bei ihr verbracht. Zeitweilig war richtig was los in der 120-Quadratmeter-Altbauwohnung in Sankt Mang. Doch inzwischen? Ein Kind betreut Bunk derzeit, dabei dürften es aber drei sein. Wie der 47-Jährigen geht es mehreren der 14 Tagesmütter Kemptens. Laut Jugend- und Sozialreferat ist nur die Hälfte der 50 Tagespflegeplätze belegt. Und das, obwohl (wie berichtet) die Krippen in der Stadt aus allen Nähten platzen.

Woran also liegt es? An mangelnder Werbung? Nein, sagte dazu im Jugendhilfeausschuss Jugendamtsleiter Matthias Haugg. Infobroschüren, Empfehlungen durchs Amt, ein eigener Internetauftritt - die Werbung sei nicht das Problem. Seiner Erfahrung nach würden Eltern einfach ganz klar die Krippe (also institutionelle Betreuung) bevorzugen.

Ein Argument, bei dem Birgit Bunk etwas schief grinsen muss. So wie mehrere andere Tagesmütter ist sie gelernte Erzieherin und hat früher in einer Einrichtung für schwer erziehbare Kinder gearbeitet. Erst als sie die «ständigen befristeten Verträge» satthatte, schlug sie 2001 den Weg als Tagesmutter ein.

Kindern Liebe, Geborgenheit und Struktur geben und den Müttern helfen - das liegt der 47-Jährigen am Herzen. Aber weshalb wählen Eltern lieber die Krippe? Aus Angst vor der Konkurrenz für die eigene Elternrolle? «Ja, es gibt Frauen, die Angst haben, das Kind könnte zu mir Mama sagen», meint die 47-Jährige. Deshalb stelle sie schon im ersten Gespräch klar, dass sie für die Kinder «die Bibi» sei - und fertig.

Möglicherweise, vermutet Bunk, schrecken die Eltern auch wegen finanzieller Bedenken zurück. Viele wüssten gar nicht, dass Tagesmütter in Kempten nicht teurer seien als die Krippen. Wobei - und das ist unter Eltern ein offenes Geheimnis - es Tagesmütter gibt, die Aufschläge verlangen. Denn auch das ist Realität: Nur etwas über zwei Euro in der Stunde bekommen Tagesmütter für ihre Arbeit.

Für sie sei das Ganze deshalb bisweilen schon ein Draufzahlgeschäft gewesen, sagt Tagesmutter Bunk. Bei diesen Worten nickt Manuela Mundi, 27. Die Kinderpflegerin durchläuft gerade die Schulung des Jugendamts und wird demnächst Tagesmutter sein. Als eine von wenigen will sie die Kinder im Haushalt der Eltern betreuen. Während des Kurses kümmert sich Birgit Bunk um ihre Tochter. Manuelas Erfahrungen als Mutter? «Wirklich positiv», sagt sie.

Da kann eine weitere Mutter zustimmen, deren Tochter vor einigen Jahren von Bunk betreut wurde: «Es war so toll - das würde ich auf jeden Fall wieder machen.» (sh)

 

Simon ist das derzeit einzige Tageskind von Birgit Bunk. Obwohl die Krippen aus allen Nähten platzen, bleiben bei Tagesmüttern die Spielzimmer oft leer. Foto: Diemand

 

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