Kleinkitzighofen
symbolischer Schlüsselübergabe

Grund zum Feiern hatte am Sonntag Kleinkitzighofen. Zahlreiche Bürger waren dabei, als Pfarrer Andreas Pela die restaurierte Bauernkapelle segnete. Nach dem Erntedankgottesdienst in der Pfarrkirche Kleinkitzighofen sammelten sich neben zwei Fahnenabordnungen und der Lamerdinger Blaskapelle zahlreiche Bürger zum Abmarsch Richtung Bauernkapelle.

Bei strahlendem Sonnenschein schien das schmucke Kirchlein mit der Sonne um die Wette zu leuchten. Pfarrer Andreas Pela, der erst seit vier Wochen in der Pfarreiengemeinschaft wirkt, betonte, dass diese Kapelle ein Zeichen der Dankbarkeit sei.

Es sei für die Bauern damals nicht selbstverständlich gewesen, «mit dem Leben davongekommen zu sein». Pela schlug vor, dass die Bauernkapelle auch ein guter Treffpunkt sein könne ebenso wie ein Ort des stillen Gebetes auf der Wanderung. Nachdem Pela die Kapelle gesegnet hatte, konnten sich die Anwesenden selbst von den gelungenen Restaurierungsarbeiten überzeugen (wir berichteten).

Im Bürgerhaus betonte Bürgermeister Konrad Schulze, dass dieser 4. Oktober ein «Freudentag für uns alle» sei, weil endlich die erste abgeschlossene Maßnahme des Dorferneuerungsprogramms verkündet werden könne. Die Kapelle sei vor dem beherzten Eingreifen von Siegfried Götz dem Verfall preisgegeben gewesen. Aber nicht nur Götz, sondern viele Mitbürger hätten freiwillig und unentgeltlich Zeit, Arbeit und Material sowie Spenden in diese Kapelle investiert. So habe die rundweg gelungene Restaurierung bisher nur Baukosten von 43000 Euro verursacht, die zu einem Teil durch Zuschüsse ausgeglichen werden können. Architekt Walter Rohrmoser hatte sich entschuldigen müssen und ließ den Schlüssel symbolisch an Bürgermeister Schulze übergeben.

Dr. Reinhard Baumann lieferte den historischen Hintergrund für die Zuhörer. Am 10. Mai 1525 fand eine Bauernschlacht zwischen Kitzighofen und Igling statt, ein «grausames Massaker», wie der Historiker nach umfangreichen, wissenschaftlich abgesicherten Archivarbeiten herausgefunden hat. Interessant sei hierbei, erzählte Dr. Baumann, dass die «Revolution von 1525» der Anfang einer Freiheitsbewegung war, die die Bauern gegen die Adligen und die Grundbesitzer führten.

Herzog Ludwig X. von Bayern war verantwortlich für die blutige Niederschlagung des Bauernaufstandes. Dr. Baumann führte aus, dass sich interessanterweise diesem Herzog die große diesjährige Landesausstellung in Landshut widmet. Nichtsdestotrotz verabschiedeten die Bauern kurz nach den Aufständen die erste «Erklärung der Menschenrechte» in Memmingen.

Es sollte aber, wie die Geschichtsschreibung zeigt, noch lange Zeit dauern, bis der Bauernstand wirklich frei war und das Ständewesen abgeschafft wurde.

Eine optische Vorstellung von den Ereignissen damals gibt das Votivbild im Innern der Kapelle, das der bekannte Künstler Erwin Holzbauer aus Mindelheim gemalt hat.

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