Innenstadt
Studenten aus Cottbus urteilen über Neubauten am Memminger Schrannenplatz

Die Ornamente an der Neuen Schranne gleichen einer Spitzen-Tischdecke und das Ockerbraun der Fassaden ist «nicht so mein Stil». So urteilte die Cottbusser Studentin Katrin Göser über das Schrannenplatz-Areal im 600 Kilometer entfernten Memmingen. Im Seminar der Brandenburgischen Technischen Universität hatte die angehende Stadtplanerin mit ihren Kommilitonen die Neubauten am Schrannenplatz und auf dem Elsbethenareal unter die Lupe genommen - auf Bildern und Plänen. Gestern standen sie nun direkt vor den Gebäuden: «Die Raumwirkung kann man sich auf Fotos schwer vorstellen. Erst vor Ort sieht man, wie alles zusammenspielt», so die 24-Jährige. Trotz Tischdecken-Vergleich und «falscher Farbe» lautet ihr Gesamturteil zur Schrannenplatz-Umgestaltung: «Gut gelungen.»

Noch bis Montag kurven die acht Studenten in zwei Autos und mit zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern quer durch Deutschland und begutachten die im Seminar behandelten Städte und Stadtteile - vorgestern München, gestern Ulm und Memmingen, heute Bonn, morgen Berlin.

Professor sagt Besuch ab

Eigentlich wollte der bekannte Stadtplaner und Dekan der Cottbusser Uni, Professor Heinz Nagler, die Studenten begleiten - allerdings sagte er aus Zeitgründen kurzfristig ab. Zu Memmingen hätte Nagler wohl << Interessantes beisteuern >> können, sagte Studentin Beatrice Kutzcher und bedauerte seine Abwesenheit.

Der Professor leitete im Herbst 2007 das Preisgericht des Architektenwettbewerbs zur Schrannenplatz-Umgestaltung, das sich für den Entwurf der Kölner Architekten Trint und Kreuder entschied. << Er ist ein Leitbild unserer Uni >>, sagte die 23-Jährige über ihren Professor. << Er hat ein riesiges Wissen intus. >>

Auch der Memminger Stadtplaner Mathias Rothdach, der die jungen Männer und Frauen gestern durch die verregnete Südstadt führte, saß als Student in Naglers Vorlesungen. Gestern stand Rothdach vor den Cottbussern und erzählte vom einstigen Memminger Gerberviertel mit der Schranne, dem Kornlagerhaus, im Zentrum.

Er erklärte, dass Häuser wie Fußballspieler miteinander harmonieren müssen und dass bei einer radikalen Öffnung des Stadtbachs am Schrannenplatz - wie es viele Bürger forderten - jetzt alle einen großen Bogen um den Platz machen würden: << Das hat psychologische Gründe >>, argumentierte Rothdach - weil der Bach dann als Hindernis verstanden würde.

<< Ich finde es spannend, wie Herr Rothdach die Stadt denkt >>, meldete sich der wissenschaftliche Mitarbeiter aus Cottbus, Christoph Dieck, zu Wort. << Er argumentiert räumlich, funktional und psychologisch. Es gibt andere Städte, in denen nicht so komplex gedacht wird. >>

Für Studentin Kutzcher nicht so überzeugend sind architektonische Elemente in der Lindentorstraße - nämlich der << schwebende Glasbau >> über der Tiefgarage und die spitzen Giebel der Neubauten: << Wie man da alte Häuser nachahmen wollte, finde ich übertrieben. >> Stellvertretender Heimatpfleger Günther Bayer hatte die Giebel schon mit Dracula-Zähnen verglichen. Kutzcher arbeitet derzeit an einem Entwurf für ein imaginäres Einkaufszentrum: << Leider haben bei uns im Osten die Kommunen nicht so viel Geld. Da macht man nicht so viele Millionen locker wie hier. >>

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