Kempten
Stubenmusik als Allheilmittel

Ob es wohl stimmt, dass die Well-Mädels schon als Kinder im selben Kemptener Kornhaussaal gespielt und Volkstanz geübt haben? So erzählte es jedenfalls Moni, die Jüngste der drei Schwestern, zu Beginn des fulminanten Auftritts der «Wellküren». Inzwischen muss fast ein halbes Jahrhundert vergangen sein. Denn - und darauf können Moni, Bärbl und Burgi stolz sein - seit 23 Jahren stehen sie auf der Volksmusik-Kabarettbühne und füllen die großen Säle, wie eben jetzt den Kornhaussaal.

Gezielter noch als ihre genau so talentierten Brüder von der «Biermösl Blosn» lassen die drei ungleichen Schwestern ihre Charakter-Rollen auf die Zuschauer wirken (besser: prasseln): Vorneweg die zierlich-drahtige Moni, mit dem fixesten, frechsten, fröhlichsten Mundwerk. Neben ihr die Bärbl, als studierte «Diplom-Pädagogin» eine Art ruhender Pol. Und die Burgi, ganz schön schelmisch mit längerer Zündschnur, darf sogar «ausrasten» vor Zorn über einen Macho-Barth - sie mimt ja schließlich die «Frauenbeauftragte von Oberschweinbach» und hat neben dem Kopftuchverbot schon drei Frauenparkplätze an der Dorfkirche erstritten.

«Mir drei, mir retten Bayern!», so trompetet Moni ins verdutzte Publikum. Vor was oder wem spielt erstmal keine Rolle. Wärmstens empfiehlt sie jedenfalls - ergänzend zu dem himmelblauen «Wisch-Well-Tuch», das ihr entweder aus der Jeans-Po-Tasche oder über die Schulter hängt - «Stubnmusi» als Allheilmittel. Gemeinsam Musik machen sei nämlich einerseits «die beste Empfängnisverhütung» und fügt (als widersinnigen Beweis) die Familie Well mit 15 Kindern an. Andererseits sei Stubenmusik aber auch Arznei gegen den gravierenden Geburtenrückgang (ein Wink für Familienministerin von der Leyen).

Wenn die drei nach der Pause als «Bavarian Sex Machine» im enganliegenden seidenschwarzen Hängerchen losrocken, rückt die Rettung Bayerns mit Hilfe von Harfe, Hackbrett und Gitarre zum Greifen nahe.

«Mutti, komm rauf, mach mer a bisserl Stubnmusi zusammen!», ruft Moni zur ersten Zugabe die 90-jährige Traudl Well auf die Bühne. Und tatsächlich setzt sich die 36-fache Großmutter und 15-fache Uroma, schlohweißhaarig und im feschen Dirndl, an die Zither und greift kundig in die Saiten. Ja, Stubenmusik scheint tatsächlich ein Wundermittel zu sein!

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