Masten
Streit zwischen Bauern und Gemeinde Dietmannsried um den Strompreis

Von Stromleitungen überspannt und mit Masten bestückt sind viele Bauernwiesen im Oberallgäu. Das macht Mehrarbeit. Fast alle Oberallgäuer Gemeinden und auch die Stadt Kempten kommen den Landwirten (und teilweise auch anderen Großabnehmern) preislich entgegen: Sie zahlen deshalb nur bis 5000 Kilowattstunden den gleichen Betrag wie jeder andere Kunde, was darüber hinaus geht, wird um rund einen Cent pro Kilowattstunde verringert. Dietmannsried hat diese sogenannte «Sockellösung» vor kurzem im Gemeinderat gekippt. Das will der Verein «Landstrom», der Rahmentarife für die Bauern in der Region aushandelt, nicht hinnehmen. Erwogen wird, «diese Sache vom Verwaltungsgericht Augsburg auf ein rechtliches Fundament stellen zu lassen». So steht es in einem Brief an Dietmannsrieds Rathauschef Hans-Peter Koch, der der AZ vorliegt.

Hintergrund: Nach der Einführung der Konzessionsabgabe (siehe Information) vor knapp 20 Jahren machten sich vor allem Bauern für die Einführung einer Sockellösung stark, erinnert sich Haldenwangs Rathauschef Anton Klotz, Vorsitzender der Oberallgäuer Bürgermeister im Gemeindetag. Darauf habe man sich dann auch fast überall geeinigt. Ohne Sockellösung, so sagt Dietmannsrieds Rathauschef Hans-Peter Koch, bekommt die Gemeinde allerdings rund 40 000 Euro mehr als bisher. 2009 flossen durch diese Stromabgabe 170 000 Euro ins Gemeindesäckel von Dietmannsried.

Was sagen die Bauern: Auch Dietmannsrieder Landwirte haben die Strom-Konzessionsabgabe nun voll zu zahlen, obwohl Masten in Wiesen Mehrarbeit verursachen, wie Landwirt Hans-Peter Fleschutz beklagt. Er muss rund 20 Masten auf seinen Feldern mit Mäher, Kreisler und Heuwagen umfahren und das am Sockel wachsende Gras später mit der Sense extra schneiden.

«Mit Sicherheit nicht gerecht»

Ähnlich geht es Landwirt Karl Fischer aus Waltenhofen (dort wurde die Sockellösung wie in Wildpoldsried schon vor etlichen Jahren gekippt): «Wir haben durch die Masten Mehrarbeit und dürfen nun auch noch mehr für den Strom bezahlen. Das ist mit Sicherheit keine gerechte Lösung.» Der Stromverbrauch in seinem Milchviehbetrieb übersteige 50000 Kilowattstunden jährlich.

Meinungen: Während Haldenwangs Rathauschef Klotz diese Argumente als «berechtigt» anerkennt und zur Sockellösung steht, sagt Dietmannsrieds Bürgermeister Koch: «Sollen die betroffenen Bauern sich wegen einer Entschädigung doch an die E-Werke wenden.» Den Kommunen würden immer mehr Aufgaben aufgebürdet, da sei eine gemeindliche Vollausschöpfung der Konzessionsabgabe berechtigt. Außerdem ist Koch «für eine Gleichbehandlung aller Bürger».

Linda Breining, Vorstand des Vereins «Landstrom», rechnet vor, dass Bauern durch das Kippen der Sockellösung jährlich pro Betrieb 300 bis 400 Euro mehr für den Strom zahlen müssen. «Eine Entschädigung für den zusätzlichen Aufwand der Bauern gibt es aber nicht,» kritisiert sie. Die Konzessionsabgabe gehe zu 100 Prozent an die Gemeinde.

«Rund 90 Prozent des Gemeindegebiets von Dietmannsried sind aber land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen,» sagt Breining, also in Privatbesitz von Landwirten.

Die Bauern müssten sich über ihren Strompreis nun voll an der Konzessionsabgabe beteiligen und zusätzlich Grundsteuer A an die Kommune abführen. «Das ist faktisch eine nicht zulässige Doppelbesteuerung,» sagt Breining. Das einseitige Aufkündigen des Sockeltarifs werde von den Mitgliedern des Vereins Landstrom nicht hingenommen.

 

Um die Strommasten muss Bauer Fleschutz aus Dietmannsried mit der Motorsense mähen. Foto: Ernst

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2019