Baugrube
Streit um riesiges Bauloch mitten in Kempten

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Es sollte etwas Besonderes werden, nichts von der Stange. Schweizer Investoren wollten an exponierter Stelle mitten in Kempten ein 14 Millionen Euro teures Geschäftshaus bauen – vier Stockwerke hoch, mit einem markanten Glasturm. Für die Tiefgarage wurde eine 18 Meter tiefe Baugrube ausgehoben. Das war im Sommer 2010. Seither hat die Kemptener Innenstadt ein enormes Loch, an dem schon über ein Jahr lang nichts mehr geschieht.

Derweil haben die Investoren Klage gegen die Stadt eingereicht mit dem Ziel, eine Genehmigung für Einzelhandelsflächen zu erhalten. Die Stadt war bisher machtlos und schaffte es nicht, die Bauherrn zumindest zur Fertigstellung der Tiefgarage zu bewegen. Doch dann bewegte sich die Erde.

Auf über 7000 Quadratmetern Nutzfläche war ursprünglich die Rede vor allem von Büros für Dienstleister, Praxen für Ärzte und Gastronomie. Nur im Erdgeschoss waren Ladenflächen für Einzelhandel bis zu 700 Quadratmetern vorgesehen. Doch die Kemptener Stadträte wollten vor zweieinhalb Jahren nichts wissen von noch mehr Einzelhandel in der Innenstadt.

Viele Leerstände verbreiteten die Angst, die Einkaufsmeile zwischen Residenz und Forum Allgäu könnte in zwei Teile zerbrechen. Deshalb legten sie im Bebauungsplan fest: Am Forum Allgäu ist Schluss mit Handelsflächen, westlich davon sind neue Läden verboten.

Aber damit wollten sich die Schweizer Investoren nicht abfinden. 'Das ist doch ein Witz – gleich daneben sind Zigtausende von Quadratmetern Verkaufsfläche und wir dürfen nicht mal einen kleinen Laden eröffnen', schimpfte Peter Kyburz von der 'Ritter Kyburz GbR' aus Zürich Mitte 2010. Und sein Kompagnon Richard C. Ritter sprach von einem 'Willkür-Akt' der Stadt.

Rechtsanwalt Ritter strengte daraufhin eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof in München gegen die 'willkürliche und rechtswidrige Planungsentwicklung' an. Das wiederum brachte Stadträte und Oberbürgermeister auf die Palme: 'Der Bau wurde in dem Bewusstsein begonnen, dass Einzelhandel dort vom Stadtrat ausgeschlossen ist', erklärte OB Dr. Ulrich Netzer.

Mittlerweile war es Frühsommer 2011. Und nachdem andere Investoren in Kempten bereits ausreichend Platz für Dienstleister und Ärzte geschaffen hatten, gab es kaum mehr Interesse an neuen Büroräumen. So legten die Schweizer noch eins drauf: Statt eines 'kleinen Ladens' beantragten sie 3000 Quadratmeter für Einzelhandel in ihrem Haus.

In der Baugrube war derweil Stillstand und auch seitens des Gerichts war kein Verhandlungstermin zu erfahren. Angesichts der Machtlosigkeit der Öffentlichkeit ging es Bürgern wie dem Oberbürgermeister gleich: 'So ein Riesenloch mitten in der Stadt ärgert mich maßlos.'

Risse im Nachbarhaus

Doch dann kam die Sache ganz anders in Bewegung. Durch die lange Standzeit der tiefen Grube, wechselnde Witterungseinflüsse und viele Erschütterungen durch den Verkehr begann der Untergrund zu arbeiten. Die Folge: An einem Nachbarhaus traten Risse in den Wänden auf, ein Gehweg senkte sich ab und nebenstehende Fertiggaragen wurden verschoben.

Zum Winter hin reagierte die Stadt und verlangte von den Bauherrn ein Statik-Gutachten über die Wintertauglichkeit der Grube samt Maßnahmenkatalog. Das lieferten die Schweizer zwar, aber es hielt der Überprüfung des Statikers nicht stand, der von der Stadt beauftragt wurde.

Wie das Bauamt gestern bekannt gab, beauftragte die Stadt daher das 'Zentrum für Geo-Technik' der Technischen Universität München damit, die Wintertauglichkeit der Baustelle festzustellen. Dabei handle es sich um eine 'Ersatzvornahme', die den Bauherrn in Rechnung gestellt wird.

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