Kempten / Augsburg
Streit um Abriss von 25 Häusern vor Gericht

Um den Abriss von 25 Wohnhäusern auf der Ludwigshöhe ging es jetzt in einem Prozess vor dem Oberlandesgericht in Augsburg. Nachdem bereits das Landgericht Kempten in erster Instanz die Klage von 25 Hausbesitzern gegen die Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) Allgäu abgewiesen hatte, wurde sie auch in zweiter Instanz nicht angenommen. Allerdings kam es diesmal zu einem Vergleich. Demnach muss die BSG die Reihenhäuser unter Aufsicht eines Gutachters bis Ende 2011 sanieren. Das hatte der Bauträger den Hausbesitzern schon nach der ersten Instanz angeboten.

Die Auseinandersetzung zwischen den Hausbesitzern dauert bereits seit zehn Jahren. 1997 bis 1999 wurden von der BSG in zwei Bauabschnitten insgesamt 28 Reihenhäuser auf der Ludwigshöhe errichtet - im Rahmen des staatlich geförderten Projekts «Das bezahlbare eigene Haus». Als Generalunternehmer fungierte eine Oberallgäuer Baufirma, die alle Häuser baute und daher ebenfalls am Prozess teilnahm. In den zehn Jahren beklagten die Hausbesitzer immer wieder Baumängel, die 2003/2004 zu einer ersten Sanierung von Dächern und Fassaden bei 19 Häusern führte.

Bodenplatten im Mittelpunkt

Vor dem Oberlandesgericht ging es nun um die Bodenplatten im Keller der Wohnhäuser. So waren die Kläger der Auffassung, dass der Betonboden nicht über die notwendige Dicke und Stahlbewehrung verfüge, um dem Haus ausreichend Stabilität zu geben. Das zeige sich in vielen Rissen sowohl im Boden als auch in den Wänden. Daher forderten sie, den Boden komplett zu ersetzen. «Das bedeutet Abriss und Neubau», folgerte Richter Heinrich Melzer.

Dagegen führten die BSG und das Bauunternehmen an, «dass die Bodenplatte gar keine tragende Funktion hat». Vielmehr gründe sich die Statik der Häuser auf Streifenfundamente unter dem Betonboden. Wenn aber die Bodenplatten nicht-tragend seien, müssten sie auch nicht in der von den Klägern geforderten Weise ersetzt werden.

Um Klarheit zu gewinnen, hatte das Gericht zwei Sachverständige geladen: Professor Dr. Karl Georg Schütz aus Kempten und Diplom-Ingenieur Reiner Pelzel aus München. Die beiden hatten die Häuser vor einigen Jahren untersucht. Beide kommen unabhängig voneinander zu dem Ergebnis: «Um die Bodenplatten zu sanieren, ist kein Abriss der Häuser erforderlich.» Eine Sanierung sei allerdings notwendig. Denn Bohrstellen in zwei Häusern hätten gezeigt, dass die Dicke des Betonbodens dort nur zwischen 8 und 13 Zentimeter liege.

Woher kommen die Risse?

«Und woher kommen dann die Risse?», wollte Richter Melzer wissen. Dafür, so die beiden Sachverständigen, könnten «Schwindverformungen» verantwortlich sei. Der Beton reiße, nachdem er mit der Zeit an Feuchtigkeit verliere. Dieser Vorgang müsse jedoch nach den ersten Jahren langsam zu Ruhe kommen.

Dagegen führten die Hausbesitzer und deren Gutachter Dr. Wolfgang Rothkegel an, dass neue Risse in den Wänden auch jetzt noch entstünden. Außerdem seien in einigen Häusern solche Baumängel vorhanden, dass es auch trotz der Sanierung zu Wasserschäden komme. Feuchtigkeit dringe über das Dach oder im Keller in die Häuser ein.

Nach rund neun Stunden Verhandlung einigten sich die Parteien auf einen Vergleich: Der Abriss der Häuser ist nicht nötig. Allerdings verpflichtet sich die BSG, «das Gesamtsystem Keller ordnungsgemäß herzustellen» und die übrigen Mängel in den Häusern beseitigen zu lassen. Gutachten zum Baugrund und zur Statik sowie ein unabhängiger Sachverständiger sollen sicher stellen, «dass sie nicht wieder vor Gericht landen», so Melzer.

Die Sanierung wird das Oberallgäuer Bauunternehmen durchführen. «Es ist klar, dass das hier keines unserer Prestigeobjekte war, was die Anzahl der Mängel betrifft. Aber wir stehen dazu, die Sanierung jetzt durchzuziehen», erklärte Willi Geiger von der Baufirma.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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