Straußenei und gestische Malerei

Von Karin Grunwald Weiler Als 'Kontrastprogramm' kann man die Ausstellung, die am Sonntag im Westallgäuer Heimatmuseum eröffnet wurde, bezeichnen - kunstvoll bemalte und beschriftete Ostereier von Otto Kuhn und abstrakte klein- und großformatige Bilder von Andrea Kuhn-Bösch.

Zum ersten Mal gemeinsam stellen Vater und Tochter in Weiler aus, wie Dr. Elmar Holzer bei der Vernissage am Wochenende vermerkte. Für Andrea Kuhn-Bösch eine Rückkehr zu den Wurzeln.

In Weiler geboren kam sie schon früh durch das künstlerische Schaffen ihres Vaters mit der Malerei in Berührung. Doch viele Jahre blieb das eigenständige Malen ein Hobby. Erst nach dem Studium und während ihrer Arbeit als Lehrerin und Kunsterzieherin machte sie es im eigenen Atelier zum Nebenberuf. Ausstellungen im Münchner Raum und auch bei der hiesigen Lindenberger Kunstausstellung dokumentieren Kuhn-Böschs Stellenwert als freischaffende Künstlerin.

Als 'abstrakten Expressionismus und gestische Malerei' bezeichnet sie ihren Stil, mit dem sie ihre eigene Formensprache gefunden hat. Die Künstlerin wollte sich bewusst vom Malstil ihres Vaters absetzen, erzählt sie, und hat auf ihre Weise autobiographische Erlebnisse und Begegnungen in ihren Bildern verarbeitet. Manches kann man gut nachvollziehen, so weist etwa die Tasche im Vordergrund des Bildes 'Warten' wohl auf die baldige Abreise hin. Oft verzichtet Andrea Kuhn-Bösch auf Titel, um dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, selbst eigene Empfindungen und Gefühle zu entwickeln und eigene Vorstellungen zu wecken. Es fällt auf, dass viele eckige Formen in ihren Werken auftauchen. Selbst eckige 'Ostereier' sind im Halbrund wie um ein Nest am Boden drapiert.

Von Tusche bis zur Gravur

Ganz anders dagegen die Kunstwerke, die Otto Kuhn schon seit mehr als 50 Jahren in allen möglichen Größen - vom kleinen Wachtel- bis zum großen Straußenei - und in verschiedenen Techniken von Tusche bis zur Gravur verziert. Akribisch genau gezeichnet zeugen Portraits, Tiere, Pflanzen und lyrische Texte von der Liebe Kuhns zu diesem besonderen Metier. Immer wieder zur Osterzeit packe ihn die Leidenschaft für die Kleinkunst, erzählt Kuhn. An die 1000 Eier seien es bestimmt geworden, von denen er die meisten an Freunde verschenkt habe.

'Kuhn - Franke - Ostereier' - diese drei Begriffe gehören nach Dr. Elmar Holzer einfach zusammen. Inzwischen habe Kuhn auch weitere Jünger dieser Kunst gefunden, mit denen er ins Ursprungsland der gemalten Ostereier reise, so der Laudator. Kuhn berichtet, dass das Schmücken der Brunnen zur Osterzeit schon im Vorchristentum in Franken Brauch gewesen sei. Durch das Versiegen des Wassers im Winter im kargen Jura sei das Auftauen im Frühjahr dankbar begrüßt und durch das Schmücken der Brunnen ausgedrückt worden.

Wer sich auf die Osterzeit einstimmen möchte, ist in dieser Ausstellung im Westallgäuer Heimatmuseum richtig. Und die Bilder von Andrea Kuhn-Bösch passen mit ihren oft frühlingshaften Farben gut zu dieser Jahreszeit.

iDie Sonderausstellung mit Ostereiern von Otto Kuhn und Malerei von Andrea Kuhn-Bösch ist bis Mitte Mai im Westallgäuer Heimatmuseum in Weiler zu sehen. Geöffnet ist sie am Mittwoch von 10 bis 12 sowie 14.30 bis 17 Uhr, Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 14.30 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

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