Ist eine Impfung für die Gesundheit der Kinder besser?
Stiko-Vorsitzender: "Gesunde Kinder würde ich im Augenblick nicht impfen lassen"

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), verteidigt die Entscheidung, keine generelle Empfehlung für die Impfung von Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren abzugeben. (Archivbild)
  • Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), verteidigt die Entscheidung, keine generelle Empfehlung für die Impfung von Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren abzugeben. (Archivbild)
  • Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • hochgeladen von Julian Hartmann

Thomas Mertens, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), würde seine Enkel nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen. "Nein, gesunde Kinder würde ich im Augenblick nicht impfen lassen", antwortete  Mertens am Donnerstag während der Fernsehsendung von Markus Lanz auf die Frage, ob er Kinder ab einem Alter von 12 Jahren impfen lassen würde. Das habe er in seiner Familie auch genauso vertreten, erzählt Mertens.

Söder will Kinder ab 12 impfen - Stiko gegen allgemeine Empfehlung

Die unabhängige Stiko hat momentan noch keine generelle Empfehlung für die Impfung von minderjährigen Kindern ab 12 Jahren ausgesprochen. Weil die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) den Biontech-Impfstoff für diese Gruppe zugelassen hat, stößt die Entscheidung vor allem bei Markus Söder auf Kritik. Mertens verteidigt in der Sendung die Entscheidung der Stiko. Bei ihrer Empfehlung habe die Stiko drei Dinge bedacht:

1. Ist es für die Gesundheit der Kinder besser, wenn sie eine Impfung erhalten?

"Die Frage ist, brauchen die Kinder die Impfung für ihre eigene Gesundheit", erläuterte Mertens. Laut dem Vorsitzenden sei bei der Analyse der Stiko zu Kinderimpfungen "sehr klar herausgekommen", dass die Krankheitslast von Corona für die Kinder dieser Altersgruppe "keine wesentliche Rolle" spielt. Dabei beleuchtet die Stiko auch mögliche Langzeitfolgen von Corona.

In Sachen "Long Covid" bei Kindern gebe es bis jetzt keine brauchbaren Daten, sagte Mertens. "Wenn man eine Studie zu 'Long Covid' bei Kindern machen will, dann müssen sie sich zwei Gruppen anschauen, die unter den gleichen (Lockdown)-Bedingungen gelebt haben." Die eine Gruppe müsse dann zusätzlich noch eine Corona-Infektion gehabt haben. Das hätten nur ganz wenige Studien gemacht, sagt Mertens. Außerdem sei eine Schweizer Studie, die mit Kontrollgruppen gearbeitet hat, zu dem Schluss gekommen, dass die Krankheitslast bei beiden Gruppen "praktisch gleich war." Abschließend hält Mertens fest: "Zu 'Long Covid' bei Kindern wissen wir praktisch nichts und dann gibt es noch diese Schweizer Studie."

2.Ist die Impfung für Kinder sicher genug?

"Der zweite Punkt den wir klären mussten war: Ist die Impfung für die Kinder sicher genug - gemessen an der Tatsache, dass wir keine hohe Krankheitslast bei diesen Kindern haben?", erläutert Mertens. Die Zulassungsstudie, bei der 1.031 Kinder geimpft worden sind, gebe über mögliche Nebenwirkungen bei Kindern keine Aussage her, so der Stiko-Vorsitzende. In den Vereinigten Staaten werden bereits Kinder ab 12 Jahren geimpft. Mertens betonte, dass sich die Stiko diese Impfungen "sehr genau anschaue". 

Dabei sei jedoch klar, dass gerade "diese Altersgruppe" besonders von Herzmuskelentzündungen betroffen sei, die durch die Impfung entstanden sind. Im Durchschnitt seien die Herzmuskelentzündungen akut gutartig verlaufen, aber: "kein Mensch weiß derzeit, ob diese Herzmuskelentzündungen irgendwann noch Folgen im Sinne einer später auftretenden Herzinsuffizienz oder ähnlichem haben", gibt Mertens zu bedenken. Diese Dinge müsse die Stiko bei ihrer Entscheidung miteinbeziehen. Er sagt: "Es geht uns allem am Ende um die Gesundheit der Kinder und das Beste für die Kinder." 

3. Welche Auswirkungen haben ungeimpfte Kinder auf die Pandemie?

Die dritte Frage war: "Was sind die Auswirkungen für den weiteren Verlauf der Pandemie in Deutschland, wenn wir diese Kinder nicht impfen?" Laut Mertens ergeben mathematische Modelle, dass bei einer Nicht-Impfung der Kinder mehr Infektionen auftreten und es zu "etwas mehr" Hospitalisierungen komme. Wobei von der Hospitalisierung nicht die Kinder, sondern die Gesamt-Bevölkerung betroffen wäre. Voraussichtlich werde es auch "wenige mehr" Todesfälle geben - allerdings auch nur dann, wenn man die Erwachsenen nicht durchimpft, so Mertens. Er sieht daher die Erwachsenen in der Pflicht, sich im Sommer impfen zu lassen. Er glaubt, dass wenn sich 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen lassen, man die Chance habe eine weitere Corona-Welle abzuflachen. Die Impfung von Kindern sei für die Epidemiologie dagegen nur ein "Seitenproblem", so der Stiko-Vorsitzende. 

Hintergrund-Information: Derzeit gibt es keine allgemeine Impfempfehlung der Stiko für eine Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren, sondern nur für Kinder und Jugendliche mit einem besonderen Risiko.

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