Wochenende
Sternsinger sind wieder im Allgäu unterwegs

Bis zum 5. Januar schreiben Allgäuer Kinder, als die Heiligen Drei Könige verkleidet, den göttlichen Haussegen an die Türstöcke. Seit Hunderten von Jahren bringen die Sternsinger mit einem Stück Kreide den Schriftzug an die Haustüren. Aktuell ist das 20 * C + M + B * 12.

Ein Brauch aus dem 16. Jahrhundert, der sich bis heute gehalten hat. Daraus ergeben sich auch viele Fehlinterpretationen für den Neujahrssegen. Vor zwei Wochen war all-in.de deshalb in der Stadt und hat die Allgäuer nach der Bedeutung von C + M + B gefragt. Die einen meinten 'Caspar, Melchior und Balthasar', andere sagten 'Caesar mansionem beneficat' und wieder anderen nannten die korrekte deutsche Übersetzung der lateinischen Buchstaben: 'Christus segne dieses Haus'.

Die Segensbitte soll die Bewohner des Hauses vor Unglück schützen. Als Dank geben die Menschen den 'kleinen Königen' Süßigkeiten und spenden einen Geldbetrag an kirchliche Hilfsprojekte, in diesem Jahr geht das Geld hauptsächlich nach Nicaragua.

Die Sternsingeraktion gibt es seit 1959 und hat jedes Jahr ein neues Motto. 2012 lautet es 'Klopft an Türen, pocht auf Recht'. Auch die Lindenberger Sternsinger, die wir begleitet haben, gehen getreu diesem Motto durch die Straßen und sammeln Geld für gleichaltrige, notleidende Kinder. Auch Pfarrer Leander Mikschl setzt sich für das Projekt ein, den Kleinen eine Stimme zu geben.

'Das Schöne an der Tradition des Sternsingens ist, dass Kinder, denen es vom Lebensstandard her sehr gut geht, etwas für arme Menschen auf der Welt tun', schildert Leander Mikschl, Pfarrer in der St. Peter und Paul Kirche in Lindenberg.

Die Kinder sind mit Feuereifer dabei. Auch wenn nicht immer die notleidenden Kinder im Vordergrund stehen, sind es doch meist die Süßigkeiten, die die Kleinen von Haus zu Haus locken. Seit dem 1. Januar sind die Lindenberger Jungen Martin Kraft, Niklas Darling, Patrick Lindenmayer und Simon Uitz auf den Beinen und singen den Bewohnern von der frohen Botschaft über Christi Geburt vor.

An Weihnachten hatten Sie strahlende Augen unter dem Weihnachtsbaum, an Heiligdreikönig sind es die Erwachsenen und vor allem ältere Menschen, die sich über die Sternsinger riesig freuen, weil sie nur noch selten Besuch bekommen.

Dementsprechend verschenken die Bewohner der Häuser als Dankeschön für den Neujahrssegen Süßigkeiten, die die vier Jungs dann untereinander aufteilen. Die Freude und der Stolz ist besonders groß, wenn ein 50 €-Schein in die Spendenkasse wandert.

Die Begleiterin der vier Sternsinger, Karin Kraft, erzählt über die Entwicklung der Spenden in den letzten Jahren: 'Tendenziell sammeln wir jedes Jahr mehr Geld für das Kindermissionswerk." Diese Entwicklung kann Pfarrer Leander Mikschl bestätigen: 'Dieses Jahr und die Jahre davor haben wir als Gemeinde St. Peter und Paul 16.000 € für das Kindermissionswerk gesammelt.' Ein Ausnahmejahr war 2004, das Jahr, als am 2. Weihnachtstag ein Tsunami über Thailand hereinbrach. Nie wieder wurde so viel gespendet, wie nach dieser Katastrophe.

Natürlich gibt es aber auch Haushalte, die mit dem Brauch des Sternsingens nichts anfangen können. Wirklich negative Erfahrungen haben die Heiligen Drei Könige in Lindenberg noch nicht gemacht. 'Wenn wir klingeln, bleiben höchstens mal die Türen zu, obwohl wir gesehen haben, dass jemand zu Hause ist. Manche Leute schlagen uns aber auch die Haustüre vor der Nase zu. Das kommt aber eher selten vor', sagt Karin Kraft.

Die positiven Erlebnisse beim Sternsingen überwiegen. Deshalb ist der 13-jährige Martin Kraft nun schon im siebten Jahr dabei. Durch seine große Schwester hat er zu dem Brauch gefunden. Und Mutter Karin Kraft läuft schon seit acht Jahren mit den Kindern von Tür zu Tür. Dieses Jahr haben die vier Jungs, die wir begleitet haben, ein relativ kleines Gemeindegebiet. Sie brauchen zwei Tage um die Häuser im Lindenberger Stadtteil 'Goßholz' abzuklappern.

Bis 5. Januar sind die 'Kleinen Könige' noch in der Westallgäuer Stadt unterwegs. Am 6. Januar findet dann der Abschiedsgottesdienst mit Pfarrer Leander Mikschl in der St. Peter und Pauls Kirche statt.

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