Kaufbeuren
Stephan Stracke vertritt die Region nun in Berlin

Gleich zwei Fernsehkameras richten sich auf ihn, dazu erhellt Blitzlichtgewitter das Foyer: Als Stephan Stracke um 19.20 Uhr vor dem Sitzungssaal im Kaufbeurer Rathaus ankommt, ist er der Star des Abends. Sogar der bayerische Finanzstaatssekretär und Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Franz Pschierer bleibt einen Schritt zurück. Oberbürgermeister Stefan Bosse überreicht dem 35-Jährigen ein süßes Präsent. Die Leidenschaft des Juristen für Gummibärchen ist allgemein bekannt. Sie begleiteten ihn 2002 bei seiner ersten Stadtratssitzung, sie werden bald auch in seiner ersten Parlamentssitzung im Reichstag dabei sein. Dank Familie Bosse hat Stracke nun einige Vorräte.

Im schwarzen Anzug mit weißem Hemd und gestreifter Krawatte gibt er sich aber auch schon staatsmännisch - schließlich ist er der neue Bundestagsabgeordnete für den Stimmkreis Ostallgäu, zu dem auch Memmingen und Teile des Unterallgäus gehören. Stracke tritt die Nachfolge von Kurt Rossmanith (65) an, der nach 29 Jahren im Parlament nicht mehr kandidierte. Für ihn waren Ergebnisse über 60 Prozent die Regel. Stracke war es wichtig, über 50 Prozent zu kommen und über dem Parteiergebnis (Zweitstimmen) zu liegen, sagt er. Beides hat er geschafft und ist zufrieden.

Der Jurist will sich in der Bundeshauptstadt als erstes des Themas Landwirtschaft annehmen. Sein neues Leben zwischen Allgäu und Berlin muss Stracke erst organisieren, sprich Wohnung suchen, Büros einrichten. Dem Kaufbeurer ist klar, dass er als Neuling erstmal auf den hinteren Bänken Platz nehmen muss. Doch durch gute Sachpolitik will er sich und die Region nach vorne bringen. Dass er dies nun unter eine schwarz-gelben Regierung tun kann, freut Stracke besonders. Denn es gehe darum, in der Wirtschafts- und Finanzpolitik das Richtige zu tun. Für die sozialen Belange sorge dabei die CSU.

Das schlechte Abschneiden seiner Partei kann Stracke an diesem Abend die Stimmung nicht vermiesen. Er genießt seinen Erfolg.

Darüber freut sich auch Pschierer. Doch er spricht auch von «schmerzlichen» Verlusten der CSU, der der Rückhalt fehle. Die Ursachen müssten nun kritisch erforscht werden. Der Staatssekretär glaubt zwei schon zu kennen: die Lage der Landwirtschaft und dass die FDP über Wert gehandelt werde.

FDP erreicht ihre Wahlziele

Das sieht der liberale Kreisvorsitzender Ernst Dollinger ganz anders. Er spricht von einem «hervorragenden Erfolg». Die FDP habe vor allem mit Sachthemen gepunktet und alle Wahlziele erreicht: Das Parteiergebnis sei zweistellig und es reiche für Schwarz-Gelb. «Wir sind auf dem Boden geblieben, das haben die Wähler belohnt.»

Es fröstelt bei der SPD

Eisige Stimmung herrscht hingegen schlagartig bei der Wahlparty der SPD in Memmingen, als die erste Prognose um 18 Uhr über den Bildschirm flimmert. Direktkandidat Rolf Spitz (48) hatte gehofft, über die Liste in den Bundestag gewählt zu werden. Dazu bräuchte die Bayern-SPD über 24 Prozent der Stimmen - sie steht bei 16 Prozent. Das Wahldebakel werde «erdrutschartige Konsequenzen innerhalb der SPD» zur Folge haben, glaubt der enttäuschte Kandidat. In Memmingen erreicht er immerhin 24,8 Prozent der Erststimmen und liegt damit klar über dem Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei (16,5). Auch wahlkreisweit liegt sein Erststimmen-Resultat höher. «Das ist für mich die Bestätigung, dass ich einen guten Wahlkampf gemacht habe», sagt Spitz.

Gespalten ist die Stimmung bei Dr. Ursula Schuster von den Grünen. Die Partei verbesserte sich um 50 Prozent im Stimmkreis, was die gute Arbeit in der Region belohne. Doch, dass nun CDU/CSU und FDP regieren, gefällt Schuster gar nicht. Bei den Linken herrschte dennoch ausgelassene Stimmung. «Ohne uns geht nichts mehr», freuten sich die Anhänger der Partei im Kaufbeurer Rathaus und schwenkten die linke Fahne, was OB Bosse aber schnell unterband.

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