Gewässer
Staunen über gigantische Pläne

Es gibt Heimatforscher, die vermuten, dass die Wertach einst durch das Mühlbachtal floss, bis ein Gletscher sie vor Aitrang umleitete. Heute reicht schon der Mühlbach, um in dem Tal die Gemeinde zu überschwemmen. Dagegen lässt das Wasserwirtschaftsamt Kempten Hochwasserschutzdämme bauen - einer steht schon, drei weitere sind dort in Planung. «Aber brauchen wir solche riesigen Bauwerke?», fragt ein Baisweiler.

Ein anderer befürchtet massive Eingriffe in das Landschaftsbild, das dadurch verloren gehe. Auch in Eggenthal gibt es Skeptiker: Wer am Bach baut, müsse mit Überschwemmungen rechnen, meint einer. Und mit über zehn Millionen Euro seien die vier Projekte genauso gigantisch wie ihre Ausmaße, so ein anderer Eggenthaler. Denn die vier Staudämme strapazierten anfangs das Vorstellungsvermögen der Betroffenen: Rund 12,3 Millionen Euro Kosten für Rückhaltebecken, Flutmulden, innerörtlicher Bachausbau und fast zwei Kilometer Dammbauwerk waren im Gespräch (siehe Info). Doch den allgemeinen Sinn der Dämme bezweifeln mittlerweile nur noch Wenige.

Bis zu acht Meter hoch

So werde der Salenwanger Damm in Friesenried von der Bevölkerung als «gut gelungen» angesehen, glaubt Bürgermeister Wolfgang Gerum - obwohl das Bauwerk am tiefsten Punkt acht Meter hoch ist, das Tal durchschneide und die Sicht störe. «Man kann nicht alles haben», so Gerum.

In Baisweil war für die Bevölkerung eine erste Planung verschreckend: 6,5 Millionen Euro sollten die Maßnahmen kosten, wobei ein 1,2 Kilometer langer Damm das komplette Mühlbachtal verbaut hätte und die Kreisstraße verlegt worden wäre. «Das ist ein gewaltiges Projekt gewesen. Da gab es allgemeines Kopfschütteln», berichtet Bürgermeister Thomas Steinhauser.

Inzwischen bevorzugt die Gemeinde kleinere Lösungen mit Einzelschritten am Oster- und Ried- und Mühlbach: Die Fluten des Mühlbaches solle dann ein 600 Meter langer Damm nördlich der Straße abhalten. Auch in Eggenthal wird das Projekt am Röhrwanger Mühlbach weitgehend für sinnvoll gehalten. «Natürlich bedeutet es eine Veränderung der Landschaft, aber der Staat sieht es als notwendig an», erklärt Bürgermeister Harald Polzer.

Das bestätigt der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Karl Schindele. Der Gesetzgeber fordere inzwischen Schutzmaßnahmen, die ein hundertjähriges Hochwasser in besiedelten Gebieten abhalten sollen - was die Rechtsprechung vorgebe. Zumal in wissenschaftlichen Kreisen eine Klimaveränderung wahrscheinlich sei: «Die extremen Hitze- oder Regenperioden werden dann zunehmen», so Schindele.

Deshalb werden die Maßnahmen vom Staat mit 45 bis 75 Prozent bezuschusst. «Ohne Förderung können die Kommunen sich das nicht leisten», weiß Schindele. Natürlich stellten die Maßnahmen und insbesondere die Dämme Eingriffe in die Natur dar. «Aber die Dammböschungen sind relativ flach und landwirtschaftlich nutzbar. Damit passen sie sich in die Landschaft ein.»

Für die Zukunft sind weitere Schutzmaßnahmen in der Region geplant - im Gennach-Hühnerbachtal etwa weitere acht Regenrückhaltebecken. Andererseits sei der Sinn augenfällig: «Das kürzlich eingeweihte Becken bei Dillishausen hat sich schon während des Baus bewährt», berichtet Schindele.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen