Frankenried
Starke Frauen bringen Maibaum in die Senkrechte

Ganz können sich einige Männer die Spitzen nicht verkneifen, als die Frankenrieder Frauen mit dem Maibaum festlich auf den Dorfplatz marschieren. «Das schaffen die nie», ruft einer aus der Zuschauermenge, die sich in dem Ortsteil von Mauerstetten (Ostallgäu) für ein ungewöhnliches Schauspiel versammelt hat. «Euch werden wir es schon zeigen», schallt es aus der Frauengruppe zurück.

Sofort festgenagelt

So ähnlich muss es sich auch vor Jahresfrist zugetragen haben. Als die Männer des Dorfes damals den Maibaum aufstellten - wie es hier seit vielen Jahrzehnten Tradition ist - behaupteten die Frauen aus einer «Bierlaune» heraus, dass auch sie den 32 Meter langen Stamm leichtsam in die Höhe hieven könnten.

Das ließen sich die Frankenrieder Männer nicht zweimal sagen. «Die haben uns natürlich sofort auf diesen Rollentausch festgenagelt und jetzt müssen wir zeigen, dass wir gestandene Weibsbilder sind», erzählt Irmgard Fitz, die den Tross der rund 60 Dorfbewohnerinnen im Alter von 17 bis 67 Jahren anführt.

In Frankenried wird der Maibaum gemäß altem Brauchtum noch weitgehend von Hand und nicht etwa mithilfe eines Krans errichtet. Der 1. Mai, der heuer unter dem Motto «Frauenpower Frankenried» steht, soll somit also zum Tag der Schwerstarbeit für die Frauen werden. «Die Begeisterung ist dennoch riesengroß und mit vereinten Kräften packen wir das», sagt Michaela Negele.

Bereits in den vergangenen Tagen hat sie den Baum mit ihren Mitstreiterinnen abgeschliffen, geschmückt und nachts bewacht - so wie sonst die Männer. Nun soll der mit Spannung erwartete eigentliche Kraftakt folgen. Der Stamm muss unter großer Muskelanstrengung in die Senkrechte gehoben werden.

Nachdem er verankert ist, erledigt der Gabelstapler das erste Stück. Weil das Anbringen der so genannten Zangen am Stamm der schwierigste Teil ist, helfen hier auch noch die Männer mit. Dann sind die Frauenhände am Zug. Auf Irmgard Fitz Kommando «hebt an!» bewegen die Frankenriederinnen den gewaltigen Maibaum, der immer wieder laut knarzt und knackt, Stück für Stück Richtung Himmel.

«Das ist Zentimeterarbeit. Ein bisschen leichter haben wir uns das schon vorgestellt», erklärt Barbara Schempp, während ein Witzbold aus dem Publikum grölt, es sehe ja aus, als ob die Frauen das zum ersten Mal machten.

Die Schwierigkeit sei, dass alle die Zangen gleichzeitig verschieben, um möglichst viel Schubkraft zu entwickeln. Bei jedem erfolgreichen Ruck applaudieren die Zuschauer. Auch dass der Stamm, der mit einer Seilwinde gesichert ist, zwischenzeitlich etwas Schieflage bekommt, beirrt die Frauen nicht.

Über eineinhalb Stunden dauert die mühsame Prozedur. Als der Maibaum schließlich mit einem letzten Ruck die senkrechte Position erreicht, ist der Jubel auf dem Dorfplatz groß.

«Das haben die Mädels super gemacht, da hatten wir ja auch keinerlei Bedenken», gesteht Mitorganisator Werner Höbel. Am schönsten sei aber, dass das ganze Dorf, Frauen und Männer, alt wie jung, für die außergewöhnliche Gemeinschaftsaktion zusammen geholfen hätten.

«Jetzt lassen wir es krachen und feiern ordentlich, wie das die Mannsbilder sonst auch machen», freut sich Irmgard Fitz. Um den einmaligen Rollentausch zu komplettieren, haben sich die Männer nämlich für die Bewirtung im Festzelt sowie Küchen- und Spüldienst zur Verfügung gestellt. «Wenn das nur mal gut geht», lacht sie.

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