Oberstdorf
Starcellist meditiert, um Stress zu bewältigen

Schmelzenden Cello-Klang verspricht das Orchesterkonzert mit Claudio Bohórquez am Sonntag, 1. August, in der Pfarrkirche Oberstdorf. Begleitet vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn unter Leitung von Ruben Gazarian wird er zwei virtuose Konzerte der Klassik interpretieren: Joseph Haydns berühmtes C-Dur Konzert und das bekannteste von Luigi Boccherini (Nr. 7 in D-Dur). Es ist das zweite Orchesterkonzert des Oberstdorfer Musiksommers. Zum Start am Freitag, 30. Juli, spielt um 20 Uhr am selben Ort die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter Leitung von Juri Gabo.

Auf die etwas provozierende Frage, ob das Orchester mit Leo Janáeks Suite für Streicher und Tschaikowskis Kammersinfonie op. 11 a nicht das unkonventionellere Repertoire biete, bleibt Claudio Bohórquez gelassen. «Das Haydn-Konzert kann man gar nicht oft genug spielen», sagt der junge Cellist mit Wurzeln in Uruguay und Peru (obwohl in Deutschland geboren). Dieses «perfekte Gemälde» biete so viele Herausforderungen, es sei ihm noch nie langweilig geworden, auch wenn er damit aufgewachsen sei.

Boccherini schätzt Bohórquez als «besten Cellisten aller Zeiten», der diesem Instrument einen Schub gegeben habe wie kein anderer, vergleichbar mit dem, was später Paganini für die Geige leistete. «Dieses Konzert klingt leicht und charmant, ist aber überraschend schwer», was vor allem an der geigengleichen Höhe liege.

Den Melos solcher Konzerte strömen zu lassen, macht Bohórquez «ungeheuren Spaß».

Das Allgäu lernte Bohórquez schon bei einem Konzert in Kempten kennen. Nach dem Auftritt in Oberstdorf hat er sich ein paar Tage Zeit eingeplant, um in den Bergen zu wandern. Nach seinem sehnlichsten künstlerischen Wunsch gefragt, nennt der 34-Jährige sein Projekt, ein eigenes Kammermusik-Festival zu etablieren, um mit guten Freunden nicht nur zu musizieren, sondern auch Zeit verbringen zu können.

Den Atem beobachten

Bohórquez wird zu den wichtigsten Cellisten seiner Generation gezählt. Um den Stress eines international gefragten Solisten zu bewältigen, hat er seine eigene Methode: Er meditiert. Sich zu sammeln, hinzusetzen und den Atem zu beobachten, gehöre für ihn genauso zum Tag wie das Üben auf dem Instrument.

«Das geht ja auch im Zug, Flugzeug oder Hotelzimmer.» Gerade für einen Dauer-Reisenden sei es wichtig, zwischendurch immer wieder bei sich selbst anzukommen.

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