Buchenberg
Standort für Windräder entzweit die Buchenberger

Nur einmal gabs beim Info-Abend über Chancen der Windkraft in Buchenberg Applaus von nahezu jedem der rund 200 Besucher. Das war ganz zum Schluss gegen 23 Uhr, als Moderator Hermann Lehmuth darauf hinwies, dass jeder sein Scherflein zur Co2-Minimierung beitragen könne, und zwar ganz einfach durch Stromsparen. Ansonsten saßen an diesem Abend, der von der Arbeitsgruppe «Energie und CO2-Einsparung Buchenberg» organisiert worden war, zwei Lager fast schon demonstrativ gegenüber: rechts die Befürworter von Windrädern im Allgäu (in diesem Fall im Kürnacher Wald) und links die Gegner.

l Die Befürworter: «Die Stromerzeugung gehört in Bürgerhand, das ist das Allerwichtigste,» betonte Land- und Energiewirt Wendelin Einsiedler vom Verein «Renergie Allgäu». Der Wildpoldsrieder hat in seiner Heimatgemeinde und auch in Altusried, Haldenwang und Wiggensbach schon mehrere Windanlagen geplant, die von Bürgergesellschaften (657 Teilhaber) finanziert wurden.

Das für weitere Windkraftanlagen in Frage kommende Gebiet auf einem Höhenzug im Kürnacher Wald in der Nähe der Jägerhütte auf rund 1100 Metern sei ideal. Einsiedler rechnete vor, dass allein ein einziges modernes Windrad mit einer Nabenhöhe von 138 Metern und 42 Meter langen Flügeln dort Strom für rund 1500 Haushalte liefern könnte. Windmessungen hätten das ergeben. Sein Mitstreiter Günter Bischoff betonte, dort sei ein «geeigneter und verträglicher Standort». Das nächste Wohnhaus sei rund zwei Kilometer entfernt.

l Die Gegner: Die Verschandelung der weitgehend naturbelassenen Landschaft ist das Hauptargument der Gegner von Windrädern auf dem Höhenrücken des Kürnacher Walds. Werner Sponsel, ehemaliger Gemeinderat aus Buchenberg hob hervor, dass der Wind an der Küste zweimal so stark wie im Allgäu sei, sich dort Windräder viel mehr lohnten. Buchenberg sei teilweise ein reines Tourismusgebiet und sollte frei von großen Windkraftanlagen bleiben. Reinhold Faulhaber, stellvertretender Vorsitzender von ILKA (Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu) sagte: «Die Allgäuer Landschaft ist zu schade, um sie zur Energie-Landschaft zu machen.»

l Argumente und Gegenargumente: Auf die Kritik, Touristen würden ausbleiben, wenn sich im Kürnacher Wald die Rotorblätter von Windrädern drehten, antwortete Wendelin Einsiedler: «In Zukunft werden die Urlauber fragen, woher der Strom kommt.» Wer umweltfreundlich produziere, werde mehr Gäste anlocken. Auf den Vorwurf, dass es einigen in erster Linie ums Geld gehe beim Bau von Windrädern, gab ein älterer Besucher zu bedenken: «Es ist keine Schande, Geld zu verdienen und man muss fairerweise sagen, dass auch am Tourismus Geld verdient wird.» «Wir schieben die Verantwortung für die Energieversorgung gerne weit weg», fügte eine Besucherin an, «aber irgendwoher muss der Strom ja kommen.

Warum nicht von uns vor Ort?» Und auf die Kritik im Kürnacher Wald würden die «Landschaft überfordernde riesige technische Konstrukte den Wald verschandeln», mischte sich Thomas Hartmann (Kemptener Stadtrat der Grünen und Mitarbeiter bei Renergie Allgäu) ein: «Der heute vorgestellte dürfte ein verträglicher Standort für die Bewohner und die Landschaft sein..»

l Der Rathauschef: Buchenbergs Bürgermeister Toni Barth verdeutlichte, es sei kein Geheimnis, dass er und große Teile des Gemeinderats großen Windkraftanlagen in Buchenberg kritisch gegenüber stünden. Demnächst soll ein Energiekonzept präsentiert werden, - ohne den Einsatz von Windkraftanlagen wie Barth gegenüber der AZ am Ende der Veranstaltung betonte.

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