Übung
Stämme durchbohren Bus, Auto brennt

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«Schlimmer geht´s nimmer» mochte man sich gedacht haben, als man das Szenario auf der Kreisstraße OA 4 oberhalb Schöllang betrachtete. Am Samstagvormittag fand dort eine groß angelegte Katastrophenschutzübung statt, an der etwa 300 Personen beteiligt waren. Neben den Feuerwehren aus Oberstdorf, Schöllang, Langenwang, Rubi-Reichenbach, Hinang, Altstädten, Sonthofen, Fischen, Au-Thalhofen, Burgberg, Blaichach und Kempten waren die Rettungs- und Sanitätsdienste des Roten Kreuzes, der Betreuungsdienst des Malteser Hilfsdienstes, das Technische Hilfswerk Sonthofen und Polizeikräfte samt Hubschrauber vor Ort. Der Leiter dieser Übung, Kreisbrandinspektor Joachim Freudig, zuständig für den Inspektionsbereich Süd des Landkreises Oberallgäu, stand nach dem Einsatz unserem Mitarbeiter Günter Jansen Rede und Antwort.

Herr Freudig, auf welche simulierten Schadensereignisse trafen die Einsatzkräfte und wie wurde die Übung vorbereitet?

Freudig: Es wurde ein schwerer Verkehrsunfall inszeniert unter Beteiligung eines Busses mit zahlreichen Verletzten, eines Holztransporters, dessen Ladung teilweise den Bus durchbohrte, eines Tankwagens, eines Gefahrgut-Lastwagens und eines brennenden Pkw mit eingeschlossenen Personen. Der Verkehrsunfall mit seinen schon erheblichen Anforderungen an das Rettungspersonal löste zudem im Verlauf der Rettungsmaßnahmen weitere Einsätze aus.

So wurde als Folge des Fahrzeugbrandes ein Waldbrand durch den kreisenden Polizeihubschrauber lokalisiert und die Gefahr der Kontamination von Oberflächenwasser sowie der Kanalisation durch explosionsgefährliche Stoffe ausgegeben. Diese Katastrophenschutz-Teilübung wurde seit August von etwa 20 Personen geplant. Der Termin und die Örtlichkeit waren den Rettungskräften bekannt, nicht aber die Darstellung des Geschehens und der einzelnen Unfallszenarien. Wir haben bereits am Vortag mit dem Aufbau begonnen und heute Morgen ab 6 Uhr. Eine Stunde später wurde der Straßenabschnitt durch die Polizei gesperrt und wir konnten die Unfallfahrzeuge dementsprechend platzieren.

Wie erfolgte die Alarmierung und durch wen wurde der Einsatzablauf koordiniert?

Freudig: Kreisbrandrat Michael Seger alarmierte alle beteiligten Kräfte per Funk und schon nach vier Minuten waren die ersten Retter in Form der Feuerwehr Schöllang am Ort des Geschehens. Danach trafen in rascher Folge alle anderen mit etwa 50 Fahrzeugen ein. Nach einer ersten Analyse unterteilte Kreisbrandmeister Florian Schmid den Bereich in einzelne Einsatzabschnitte und vergab die Aufgaben an die verschiedenen Gruppen. Die Einsatzleitung obliegt bei derartigen Ereignissen einem von der Katastrophenschutzbehörde zu bestellendem örtlichen Einsatzleiter, in der Regel aus dem Personenkreis der Kreisbrandinspektion.

Zu dessen Unterstützung beruft der Einsatzleiter Führungskräfte der beteiligten Hilfsdienste und Sachverständige als «Fachberater» und bildet mit diesen eine örtliche Einsatzleitung. Der jeweilige Kommandant der nächstgelegenen Feuerwehr ist da natürlich immer stark eingebunden, in diesem Fall Markus Maier aus Schöllang. Neben den 200 Einsatzkräften waren heute rund 100 Helfer im Leitungsdienst und bei der Simulation des Szenarios im Einsatz.

Dies ist bereits die dritte große Übung innerhalb kurzer Zeit im südlichen Oberallgäu. Vergangene Woche fanden in den Bahnhöfen Sonthofen und Oberstdorf ebenfalls Übungen statt.

Freudig: Solch ein Ereignis wie dieses hier findet nur ungefähr alle fünf Jahre statt und wird «von oben» angeordnet. Die Übungen in Oberstdorf und Sonthofen waren turnusgemäße Schulungsmaßnahmen, denen eine theoretische Ausbildung voranging.

Wie beurteilen Sie den Ablauf der Rettungsmaßnahmen und welches Fazit ziehen Sie daraus?

Freudig: Nun, in nächster Zeit wird es eine ausführliche Nachbesprechung geben mit den Führungskräften der einzelnen Organisationen. Da kommt dann alles auf den Tisch und wird inhaltlich bis ins kleinste Detail seziert. Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern und deshalb sind derartige Übungen auch notwendig, nicht zuletzt um die Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Rettungskräfte zu testen. Im Großen und Ganzen hat das heute recht ordentlich geklappt.

Die Trupps sind gut ausgerüstet und man konnte Gerätschaften ausprobieren, mit denen man sonst nicht so oft übt. Der RUD-Trupp, das ist die Abkürzung für realistische Unfalldarstellung´, hat übrigens ganz hervorragende Arbeit geleistet, wie auch Außenstehende feststellen konnten.

 

Ein Holzlaster verliert bei einem Verkehrsunfall seine Ladung (linkes Bild), ein Teil der Stämme durchbohrt einen Bus (rechts Bild): dieses Szenario war Teil einer Katastrophenschutz-Übung mit 200 Einsatzkräften und 100 Helfern. In dieser Größe wird der Ernstfall nur etwa alle fünf Jahre geprobt. Foto: Günter Jansen

 

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