Frauentag
Stadtrundgang mit «Gender-Brille» und der Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz

Düstere Ecken in der Altstadt, müffelnde Toiletten und holprige Straßenpflaster standen im Mittelpunkt eines Stadtspaziergangs, bei dem die Teilnehmer kritisch durch die «Gender-Brille» blickten. Mit der Veranstaltung aus dem Programm zum Internationalen Frauentag sollte die Vielfalt, aber auch die Unterschiedlichkeit beider Geschlechter deutlich gemacht werden, die es bei der Stadt- und Verkehrsplanung zu berücksichtigen gelte. Begleitet wurden die 20 Frauen und Männer von der Kaufbeurer Gender-Pädagogin und Grünen-Stadträtin Ulrike Seifert sowie der Grünen-Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (Neu-Ulm).

Deutlich machte Seifert die Gender-Problematik an der «männerdominierten» Verkehrsplanung. «Bestehende Unterschiede zwischen Alt und Jung, Arm und Reich, Stark und Schwach, Klein und Groß, Mann und Frau werden hier sichtbar und entscheiden über die Teilhabe am öffentlichen Leben», sagte sie. «Auch wenn die Zahl der Führerschein- und Autobesitzerinnen stetig zunehme, sind es vor allem die Frauen, Mädchen und alten Menschen in unserer Gesellschaft, die die Konsequenzen der autofokussierten Stadtplanung tragen müssen», meinte Ulrike Seifert.

Die Teilnehmer, darunter viele Frauen, äußerten unter anderem Kritik an der Pflasterung der Straßen, die das Fortkommen für Eltern mit Kinderwagen, aber auch für Rollstuhlfahrer und Fahrradfahrer erschwere.

Negativ schlug das Tempo der Autofahrer im verkehrsberuhigten Bereich der Altstadt zu Buche, in dem sich alle Verkehrsteilnehmer, also auch die Fußgänger und die Radler, gleichberechtigt bewegen sollen. Lob erhielt der Platz vor dem Kunsthaus, dem allerdings noch die eine oder andere Sitzgelegenheit fehle. Angeregt wurden beispielsweise Wickelmöglichkeiten in den öffentlichen Toiletten des Busbahnhofes. Wenig schmeichelhafte Kommentare gab es für die wilden Parker, etwa wenn Querungshilfen für Senioren, Mütter und Väter mit Kinderwagen und Menschen mit Behinderungen blockiert waren.

Für die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz war das Treffen auch Gelegenheit, an die Einführung des Frauentages vor 100 Jahren zu erinnern. Mit 100 Aktivitäten unter dem Motto «Heute ist ein guter Tag» will die Bundestagsfraktion der Grünen das Thema aufgreifen und laut Deligöz zeigen, was Frauen leisten und wofür es weiterhin zu kämpfen gilt - eine dieser Aktionen war die Teilnahme am «Gender-Walk» in Kaufbeuren. «Wir wollen uns nicht immer mit Defiziten beschäftigen», so die Abgeordnete, «sondern Ungleichgewichte ändern.» Frauen seien nicht schlauer, hätten aber einen anderen Blickwinkel. Deligöz bezeichnete diesen Weg als neuen Feminismus und resümierte: «Was für die Frauen gut ist, ist auch für Männer gut.»

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