Marktoberdorf/Ostallgäu
Stadträte: Gewerbe in der Kreisstadt konzentrieren

l rel l Eigentlich hätte der Punkt eine Formalie sein können. Doch die Stadträte bissen sich daran fest - weil sie wohl befürchten, die Entwicklung könne ein Stück an Marktoberdorf vorbeilaufen. Der Anlass für die längere Diskussion war die - vom Gesetzgeber in solchen Fällen verlangte - Anfrage aus dem Nachbarort Unterthingau, ob Marktoberdorf etwas gegen die Erweiterung des Gewerbegebietes «Jägermühle» habe.

Normalerweise werden solche Anfragen abgenickt. Doch nicht in diesem Fall. Bürgermeister Werner Himmer gab gewissermaßen das Startsignal für die Diskussion, als er die allgemeine Frage in den Raum stellte, ob denn größere Gewerbegebiete nicht eher in Mittelzentren als in Dörfer gehörten. Hierzu erinnerte er auch an die Bemühungen des Landkreises, sogenannte interkommunale Gewerbegebiete einzurichten. Das bedeutet: Mehrere Kommunen entscheiden sich für Firmenansiedlung in einer Gemeinde. Diese zahlt dann an die umliegenden Orte einen Ausgleich für entgangene Steuereinnahmen.

Kaum hatte Himmer die Idee eines gemeinsamen Gewerbegebietes mit Unterthingau ins Spiel gebracht, sprang ihm Maaß zur Seite. Die Grünen forderten solche Gebiete schon seit Jahren, erinnerte er. Denn es gelte, einem «Wildwuchs» entlang der großen Verkehrsachsen vorzubeugen. Vor allem kritisierte Maaß, dass manche Orte «auf Kosten anderer Gemeinden» mit niedrigen Grundstückspreisen einen «ruinösen Wettbewerb» betrieben, um Firmen an Land zu ziehen.

Auch die CSU signalisierte Unterstützung. Landschaft sei ein ganz wichtiges Kulturgut, betonte Eduard Gapp und forderte, den Gedanken an ein interkommunales Gewerbegebiet voranzutreiben: Das Gelände an der B 12 dürfe nicht weiter so verbaut werden wie bisher.

Derzeit keine Gewerbeflächen

Andreas Wachter (CSU) trat dagegen etwas auf die Bremse: Gewiss sei das «nicht so toll», was dort entstehe. Doch sei der Grund ja bereits verkauft und es entstünden für Marktoberdorf «keine großen Wettbewerbsnachteile». Im Übrigen könne die Kreisstadt derzeit gar keine Gewerbeflächen anbieten. Franz Barnsteiner (FW) machte auf die Kehrseite der Medaille von großen Gewerbegebieten aufmerksam: Diese zögen Schwerverkehr in die Stadt. Dennoch sollten, so betonte er, Firmen in der Kreisstadt ansiedeln. Wolfgang Schmid (FW) meinte, eine Ablehnung der Unterthingauer Pläne habe wenig Chancen auf Erfolg. Doch sollte man der Gemeinde für die Zukunft eine Beteiligung an einem kommunalen Gewerbegebiet anbieten. Gerhard Küster (Grüne) wies darauf hin, dass auch in anderen Gemeinden Ansiedlungspläne forciert würden.

Stadtbaumeister Peter Münsch erinnerte an die Regionalplanung, die eine Konzentrierung größeren Gewerbes in den Städten vorsehe. Manche Gewerbegebiete auf dem Lande seien fast so groß wie das Dorf.

So fiel denn auch der Beschluss- vorschlag der Verwaltung eindeutig aus: Marktoberdorf lehnt den Ausbau des Unterthingauer Gewerbegebietes ab, weil laut Regionalplanung größeres Gewerbe bei Mittelzentren zu konzentrieren ist. Zudem stören große Gewerbegebiete bei Dörfern das Orts- und das Landschaftsbild. Vom Stadtrat erhielt die Verwaltung den Auftrag, mit Unterthingau Gespräche über die Bildung eines kommunalen Gewerbegebietes aufzunehmen. Bei drei Gegenstimmen (FW: 2, CSU: 1) wurde der Vorschlag befürwortet.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2020