Familien
Stadt Kempten hat Schulweg falsch gemessen: Eltern müssen also für das Busticket zahlen

Wenn zwei Kilometer draufstehen, müssen nicht zwangsläufig auch zwei Kilometer Strecke drin sein. Das haben Eltern im Kemptener Westen festgestellt - als ihnen unvermittelt neue städtische Bescheide ins Haus flatterten. Zusammengefasst heißt es darin: Die Stadt hat sich bisher bei Schulwegen einiger Grundschüler der Jakobwiese vertan.

Ihr Zuhause liege - entgegen einer älteren Einschätzung - nicht zwei Kilometer von der Haubenschloßschule entfernt, der Weg sei kürzer. Die bislang kostenlose Buskarte ist damit hinfällig. Nicht zum ersten Mal gibt es Streit um den Schulweg. Zwei Fälle aus Kempten und dem Ostallgäu landeten in den vergangenen Jahren vor dem Verwaltungsgericht.

Im aktuellen Fall auf der Jakobwiese gehe es den Eltern um mehr als ums Geld, sagt Anwohner Peter Hoder und berichtet von einer Unterschriftensammlung: Die Kinder müssten die Lindauer Straße zu Fuß überwinden, beziehungsweise dort den dunklen Tunnel nutzen, wenn sie nicht Bus fahren.

Das sei gefährlich. Hoder versteht daher nicht, warum nun alles anders sein soll beim Schulweg der Jakobwiesen-Grundschüler. Die beiden Kinder seiner Frau stiegen bislang direkt vor der Haustür in den Bus und nach dem Unterricht dort wieder aus.

Schulreferent Benedikt Mayer räumt auf Nachfrage den "etwas peinlichen" alten Messfehler ein, gleichwohl: Bei einer kürzeren Wegstrecke gebe es eben keine Kostenübernahme mehr - und nachzahlen müsse ja auch niemand.

Zur neuen Messung mit inzwischen modernerer Technik sei es durch einen Neuantrag in der Jakobwiese gekommen. Auch andere Eltern wollten, wie ihre Nachbarn, in den Genuss einer kostenfreien Buskarte kommen. Nun allerdings gibt es sie dort für niemanden mehr.

In puncto Sicherheit, sagt Mayer, hätten sich übrigens Polizei und der Kemptener Schulwegbeauftragte des Tiefbauamts gekümmert und festgestellt: Der Schulweg zur Haubenschloßschule ist sicher.

Damit wird es aus seiner Sicht bei der Entscheidung bleiben, dass die betroffenen Eltern selbst zahlen oder die Kinder zu Fuß zur Haubenschloßschule gehen müssen. Das Gebiet am Stadtbad gehört erst seit wenigen Jahren überhaupt zu diesem Schulsprengel: Die Stadt verlegte seinerzeit die Grenzen, so dass die Kinder nicht mehr in die Innenstadt zur Grundschule gehen, sondern eben ins Haubenschloßgebiet.

33,50 Euro im Monat - das war der Preis der Buskarte, für den vor einigen Jahren die Mutter eines Kemptener Realschülers vors Augsburger Verwaltungsgericht zog: erfolglos.

Ihr Sohn besuchte damals die städtische Realschule, die genau 200 Meter weiter von der Wohnung entfernt war als die nähergelegene Staatliche Realschule in der Salzstraße. Ein entscheidender Unterschied: Nur bei der nächstgelegenen Schule haben die Eltern Anspruch auf Kostenübernahme, urteilte das Verwaltungsgericht: Kostenübernahme abgelehnt.

Autor:

Stefanie Heckel aus Kempten

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