Prozess
Staatsanwaltschaft wirft fünf Angeklagten Mord und Beihilfe vor

Es geht an diesen ersten Verhandlungstag um Tränen und Lügen, um extreme Gewalt und um einen jungen Mann, dem fünf Menschen quasi beim Sterben zusahen. Diese Fünf müssen sich seit gestern vor dem Kemptener Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf Mord und Beihilfe zum Mord.

Warum diese Dezembernacht im vergangenen Jahr so verhängnisvoll enden musste, ist nicht nur für die Prozessbeobachter im gut gefüllten Gerichtssaal schwer begreiflich. Auch die Angeklagten - vier Männer und eine Frau im Alter von 23 bis 34 Jahren - tun sich sichtlich schwer, Erklärungen für das Geschehene zu finden. Bereits bei der Verlesung der Anklageschrift bricht die Angeklagte Svetlana B., sie ist die Ex-Verlobte des Opfers, in Tränen aus.

Laut Staatsanwaltschaft treffen sich die fünf Russlanddeutschen am Abend des 2. Dezembers in der Wohnung des Angeklagten Andreas W. in Kaufbeuren. Mit dabei: das spätere Opfer Stefan K. sowie zwei weitere Freunde. Ein Trinkgelage. Man hört Musik, surft im Internet und irgendwann kommt es zum Streit. Die beiden Haupttäter, die Cousins Denis B.

und Roman B., sollen auf den schmächtigen, nur 54 Kilo leichten Stefan K. eingeprügelt und ihn gegen Kopf und Oberkörper getreten haben, bis er zu Boden ging. Schließlich soll einer der beiden von einem Bett herunter auf den Wehrlosen gesprungen sein und ihm mit der Ferse auf den Bauch getreten haben. Stefan K. ist kaum noch ansprechbar. Der 26-Jährige spuckt immer wieder Blut. Zwar rufen die Fünf zunächst den Notarzt, wimmeln dann aber die eintreffenden Rettungssanitäter aus Angst vor der Polizei ab: Es sei gar kein Verletzter in der Wohnung. Den bewusstlosen Stefan K. legen sie in das Schlafzimmer, wo er wenige Stunden später an inneren Blutungen stirbt.

Neben der Frage, warum sich keiner der Angeklagten zur Hilfe für das Opfer durchringen konnte, dürfte das Verhältnis von Svetlana B. zu dem Mitangeklagten Denis B. eine Schlüsselrolle für den Prozess spielen. Während die 23-Jährige zu Beginn ihrer Aussage darauf beharrte, keine Beziehung zu Denis B. gehabt zu haben, korrigierte sie sich später: Sie habe zwei Tage vor der Tat ein Verhältnis mit Denis B. begonnen und auch in der Tatnacht mit ihm geschlafen - während ihr Verlobter im Nebenzimmer im Sterben lag. Der tödliche Streit könnte somit aus Eifersucht entstanden sein.

Während ihrer Aussage verstrickte sich Svetlana B. mehrmals in Widersprüche. So musste die 23-Jährige einräumen, bei der polizeilichen Vernehmung mehrfach gelogen zu haben. Der Richter ermahnte sie daher: << Alles, was Sie für Ihren ehemaligen Verlobten noch tun können, ist die Wahrheit zu sagen. Hören Sie auf zu fantasieren. >>

Offenbar unbestritten ist bislang, dass Denis und Roman B. für die tödlichen Verletzungen verantwortlich sind. Doch gehen die Aussagen darüber auseinander, ob die beiden Vettern Druck ausgeübt haben, damit ihre Freunde die Tat vertuschen. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird im Oktober erwartet.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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